Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 311
(PDF, 172 MB)
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organische Ausklang seiner bisherigen Entwicklung
, über das Plakat hinaus zu materialgemäß
vereinfachter Darstellung vorwiegend figürlicher
Motive. Letztere entnimmt er nach
wie vor mit besonderer Vorliebe seiner heimischen
Umwelt. Da ist der köstliche „Herr
Maire" in der typischen Titelheldenpose des
gleichnamigen Stoskopfschen Lustspiels, hier
die Elsässerin mit der dekorativen Kopfschleife,
dort der elsässische Rekrut, der Fischer an
der III u. a. m. Auch das beliebte Laufmädel
des Zeichners Braunagel wird geschickt in die
neue Technik übertragen. Andere Sujets figürlicher
Art wechseln in bunter Folge mit diesen
heimischen Gesichten ab. So das dekorative
Biedermeiermotiv des komplizierten Gruppenbildes
„Spaziergang", das sich auch in kleineren
Arbeiten als recht dankbar erwies. Gut gelungen
sind ferner einige einfache Kinderszenen
voll intimen Stimmungsreizes, die, in
geringeren Dimensionen gehalten, für Privathäuser
bestimmt sind, während die größeren
Arbeiten naturgemäß in öffentlichen Lokalen:
Restaurants, Theatern, Kaufhäusern ihren angezeigten
Platz haben.

Die Anpassung an den jeweiligen Stil des
Bestimmungsortes ist denn auch eine Grundbedingung
dieser gewerblichen Kunst. War
doch die erste gemeinsame Arbeit Cammissars
und Braunagels ein großes Restaurantfenster,

PAUL BRAUNAGEL MÄDCHEN IM WIND

BLEI VERGLASUNG VON A. CAMMISSAR, STRASZBURG I. E.

PAUL BRAUNAGEL o a „DER HERR BÜRGERMEISTER"

BLEIVERGLASUNG VON A. CAMMISSAR, STRASZBURG I. E.

das sämtliche dort erhältliche Getränke in entsprechenden
Trinkergestalten darstellen und
so gewissermaßen als Reklameplakat wirken
sollte.

Die ansehnliche Reihe von Verglasungs-
arbeiten, die den Namen Braunagel neuerdings
über die engere Heimat hinausgetragen haben,
läßt einen stetigen Fortschritt deutlich erkennen
. Auch die letzten Pinselstriche — bescheidene
Ueberreste der Glasmaltechnik —
die in früheren Arbeiten die glatte Gesichtsfläche
erst menschenähnlich machten, weichen
mählich einer vollkommeneren Beherrschung
und Verwertung des Materials und der dekorativen
Linie.

Streiten ließe sich freilich über die Brauchbarkeit
des figürlichen und landschaftlichen
Vorwurfs mit perspektivischem Effekt für eine
so ganz auf Flächenwirkung eingestellte Kunst.
Doch hat gerade Braunagel in seinen besten
Entwürfen die relativen Möglichkeiten solcher
Motive restlos auszubeuten verstanden. Damit
ist der Künstler aus dem engeren heimatkünstlerischen
Rahmen in den Bereich allgemeinerer
Beachtung herausgetreten, und er
wird, hoffen wir, stark genug sein, dies Interesse
dauernd festzuhalten.

Ren£ Pr£vöt

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