Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 356
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arch. hugo eber hardt-offen bach

Einheitlichkeit zeigt. Eine Einheitlichkeit, die
nicht zur Einförmigkeit wurde, denn die frische
Erfinderkraft des Architekten bewährte sich
auch in diesen Dingen. Sein Bestes freilich
gab er eben als Baumeister: in der praktischen
Zweckordnung der Gelasse und in der abwechslungsreichen
, geschmackssicheren Raumgestaltung
.

Ein Wort bleibt über den Garten zu sagen.
Der besitzt herrliche Baumbestände, war aber
im übrigen in der regellosen Weise angelegt,
wie die frühere Zeit das liebte. Da zeigte nun
Eberhardt, wie man mit wenigem viel machen
kann. Er brachte Ordnung in den Plan und
bezog ihn so auf das Haus. Dem kleinen See
gab er in festen Linien den Rahmen eines
Mauerabschlusses. Ein Blick auf die Abbildung
genügt, um deutlich zu machen, wie er
damit die Schönheit jener Baumgruppe beim
Hause ins Große gehoben hat.

Hugo Eberhardt hat in Frankfurt a. M., wo
er einige Jahre als Bauinspektor wirkte, hat
in seiner Heimatstadt Heilbronn a. N. und an
anderen Orten verschiedene starke Proben
seiner Begabung gezeigt. Ueberall erschien
er bewundernswert durch die Freiheit von jeder
Schablone, durch die Unbefangenheit, mit
der er seine Aufgabe anfaßte. Mit der Un-

landhaus adolfsh ütte : veranda

befangenheit erwies sich stets, zumal auch
in seinen Schulen, eine straffe, soziale Gewissenhaftigkeit
verbunden.

Wer diese Werke kennt, wird mit der
gleichen Freude die neue Schöpfung, das
Dillenburger Landhaus, als Eindruck in sich
aufnehmen, und der Eindruck dieser mächtigen
, so schön gegliederten Baugruppe wird
bei dem noch sich zu warmer Anerkennung
festigender sich in die Einzelheiten des Grundrisses
vertieft, der die vornehmen Einzeldinge
von Schmuck und Zierat prüft. Dem mag
diese Leistung vorbildlich erscheinen. Vorbildlich
nicht in der Weise, daß sie würdig
wäre, in die Leitfaden für Baugewerbeschüler
aufgenommen und von Kopistenhänden verflacht
zu werden. Dazu ist sie in ihrem Verzicht
auf sensationelle Pointen gar nicht angetan
. Vorbildlich aber in jener neuen und
fruchtbaren Gesinnung, die mit ganzer Sachlichkeit
in die sozialen Bedingungen einer
Bauaufgabe hineingeht und aus ihnen ihre architektonischen
Mittel herausholt. Vorbildlich
auch — doch dies ist kein Vorbild, dem man
beliebig nacheifern kann — in der zurückhaltenden
vollkommenen Sicherheit eines
reifen künstlerischen Geschmacks.

Theodor Heuss

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