Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 358
(PDF, 172 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0405
DAS HAUS BRAKL IN MÜNCHEN

Professor Emanuel von Seidl
hat dem Kammersänger Franz
Joseph Brakl an der Lessing-
..(5j straße in München ein Fami-
C9)j)))d lienwohnhaus erbaut. Es ist ein
kleines Meisterwerk bürgerlicher
Baukunst geworden, das überzeugend
dokumentiert, daß Seidl nicht nur der Meister
des festlich gestimmten Monumentalbaus ist,
sondern auch in solchen kleineren Bauwerken
aus seinem Besten und Eigensten gibt.

Aeußerlich präsentiert sich der Bau als ein
einfaches, aber bis zu einem gewissen Grad
von Koketterie graziöses Werkchen. Dazu
trägt vor allem das eigenartig konstruierte,
an eine Kappe oder einen Helm gemahnende
verschieferte Dach und der lebhafte Farbenwechsel
: schwarz, weiß und grün (Gitter, Einfriedigung
und Fensterläden), im Akkord mit
dem Schiefergrau des Daches und dem ins tonige
Grau spielenden Weiß des Verputzes bei.

Wie bei allen ähnlichen Bauwerken Seidls
ist der Schwerpunkt des künstlerischen Wertes
auch beim Hause Brakl ins Innere verlegt.
Seidl hat in allen entscheidenden Räumen
nicht nur die Innenarchitektur, sondern auch
den Entwurf der Möbel übernommen, und
sein raffinierter Farbengeschmack feiert hier
Orgien. Es kommt hinzu, daß ihm zum
Schmuck der Räume ein ganz außerordentlich
schönes Material an Gemälden zur Verfügung
stand, denn Brakl, der bekanntlich
als Inhaber der „Modernen Kunsthandlung"
mit den Malern der fortschrittlichen Richtung
in München in engem Konnex steht,
hat sich für seine neuen Räume vorzügliche

Gemälde von bester dekorativer Wirkung zu
sichern gewußt.

Durch eine in Hellbuchen gehaltene, überaus
zweckmäßige Garderobe betritt man das
großzügige, für dieses Gebäude beinahe zu
üppig erscheinende Treppenhaus, das im Erdgeschoß
zu einer Art Diele ausgebaut ist.
In geräuchertem Eichenholz sind Treppe und
Geländer ausgeführt; sie stehen sehr wirkungsvoll
zu dem Kalkweiß der Wände, welche
reichen bildlichen Schmuck tragen, der zuweilen
ganz freskenartig erscheint. Man findet
da z. B. Hengelers großes dekoratives und
doch so intim-idyllisches Gemälde „Allegorie
der Isar", Erlers farbensprühende „Phantasie
am Ammersee" und Eichlers frühlingsseligen
„Kuckucksruf".

Der Hauptraum des Hauses, der die ganze
Vorderfront des Erdgeschosses ausmißt, ist
die repräsentative Halle. Ihre Grundfarbe
ist blau; mit blauem, leicht karrierten Satin
sind die Wände bespannt: mächtig prangen
darauf große dekorative Gemälde aus der Hand
Fritz Erlers: sie stellen die vier Elemente dar
und sind freie, mehr auf den Innenraum gestimmte
Wiederholungen der Erlerschen Fresken
im Restaurationspavillon des Ausstellungsparks
. Neuschöpfungen von graziösester Anmut
sind die Putten, die über den Türen Platz
fanden. Rosa und Grün sind die Hauptfarben
der silbergefaßten Gemälde, und dieser Farbenklang
wird wieder aufgenommen in den Vorhängen
, in Kissen und Teppichen, die von
Seidl selbst gezeichnet sind. Um aber auch
nicht eine Spur von weichlicher Süßlichkeit,
wie sie aus diesen zarten Farben resultieren

S 4 *

HAUS BRAKL: GRUNDRISSE VON ERD- U. OBERGESCHOSZ

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