Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 369
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ARBEITEN VON ERICH KLEINHEMPEL

dritten Bande seines „Grünen
Heinrich", wo sich so viel feine
und kluge Worte über Künstler,
Leben und Schaffen finden, hat
Gottfried Keller der Kunstkritik
seinerzeit in ihrer ästhetischen
Geschraubtheit einmal mit liebenswürdigschalkhafter
Gebärde den Spiegel vorgehalten.
Die wunderliche Manier, in welcher die verschiedenen
Künste ihre technische Ausdrucksweise
vertauschen, verspottet der junge Lee,
als er sich zum ersten Male in den prächtigen
Räumen des Malers Lys umschauen darf.
Die Besprechung einer Symphonie, worin nur
von der Wärme des Kolorits, Verteilung des
Lichtes, von dem Schlagschatten der Bässe,
vom verschwimmenden
Horizont der begleitenden
Stimmen,
vom durchsichtigen
Helldunkel der Mittelpartien
, von den gewagten
Konturen des
Schlußsatzes u. dergl.
die Rede ist, vertritt
den einen Kreis dieser
Verirrung. Drüben
aber wird an der neuen
historischen Komposition
des berühmten
Akademiedirektors die
logische Anordnung,
die schneidende Sprache
, die dialektische
Auseinanderhaltung
der begrifflichen Gegensätze
, die polemische
Technik bei einem
dennoch harmo- erich kleinhempel

nischen Ausklingen der Skepsis in der bejahenden
Tendenz des Gesamttones gerühmt.
Kurz, so scheint keine Zunft mehr wohl in
ihrer Haut zu sein und jede im Habitus der
andern einherziehen zu wollen.

Die Mittel der Wertung, die sich aus dem
Kunstwerk und seinem Entstehungsgebiet
selbst ergeben, werden auch heute noch von
kritischen Tiefschürfern gern mit solchen
vertauscht, wie sie dort bei der Erklärung von
Peter Cornelius' Karton herangezogen sind.
Wir lesen über Bilder eines jungen deutschen
Florentiners, der in Marees, van Gogh, Gauguin
und den Pointillisten viel Anregung gefunden
hat. „Die meisten Arbeiten, die er
damals zeigte, enthielten im wesentlichen

Empirisches; sie waren
entstanden aus
Versuchen, mehr oder
weniger rein begrifflich
Faßbares (wenn
auch niemals Literarisches
) am konkreten
Bilde zu verfestigen
. Infolgedessen war
ihr Besonderes auch
mit den Konstatierungen
ihrer empirischen
Schönheiten
umschrieben. In den
neueren Arbeiten ist
ein durchaus bewußter
künstlerischer Intellekt
tätig, der bewußt
die Aufgaben
stellt und auch aus den
mit dem Ansatz gegebenen
Propositio-
glasbowle nen die Konsequenzen

Dekorative Kirnst. XIII. 8. Mai 1910.

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