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ABTEILUNG FÜR FLÄCHENKUNST DER KGL. LEHR- UND VERSUCHSWERKSTÄTTE IN STUTTGART
LEHRER PROF. ROCHGA, SCHÜLER ERNST E. SCHLATTER □ LITHOGRAPHIE „HÖHKÖNIGSBURG"
(VERLAG: K. AD. EMIL MÜLLER, STUTTGART)
AUS DEM WÜRTTEMBERGISCHEN KUNSTLEBEN
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ie Lehr- und Versuchswerkstätten
der Königlichen Kunstgewerbeschule
in Stuttgart gehören zu
jenen wertvollen Einrichtungen,
die Württemberg seinem kunstsinnigen
Könige verdankt. Der
Kunstsinn, gemeinhin doch nur eines jener
epitheta ornantia, die zum eisernen Bestände
der Fürstenschilderungen gehören, hat bei
Wilhelm II. von Württemberg einen greifbaren
, durchaus modernen Ausdruck gefunden.
Württembergs König ist ein moderner Fürst,
kein Epigone Ludwigs XIV. Und so sieht er
denn in der Kunst nicht im veralteten Sinne
nur eine Sache der Repräsentation, ein Mittel
zur Erhöhung des Glanzes der Krone, des
Hofes, wobei es dem Volke, den Bürgern
überlassen bleibt, aus dem höfischen Prunke
so viel zu nehmen, als die Mittel gestatten;
sondern er faßt die Kunst in jenem weiten
Sinne, den unsere aufstrebende Zeit mit dem
Worte verbindet, als einen wesentlichen Bestandteil
des Lebens, die Form des Lebens
schlechthin, als ein wichtiges Kapitel der
Volkswirtschaft und Staatsfürsorge. Wie angebracht
ist doch solches Denken gerade in
einem Lande, das wie Württemberg arm ist
an materiellen Gütern und darum bestrebt
sein muß, durch formende Arbeit sich Werte
zu schaffen, um im Wettbewerb der Stämme
und Völker seine Stelle behaupten zu können.
Für eine solche Auffassung vom Wesen
der Kunst konnte es nicht genügen, Maler
und Bildhauer zur Stelle zu haben, die imstande
sind, gute und respektable Bilder und
Bildwerke zu machen. Um Kunst ins Volk
zu tragen, das Land im weitesten Sinne künstlerisch
leistungsfähig zu machen, bedurfte
es neuer Mittel und Wege, bedurfte es zunächst
einmal gedankenreicher, für Propaganda
und Organisation veranlagter Köpfe,
in erster Linie Künstler, die ihre Aufgabe
nicht mit der Wahl eines passenden Rahmens
für ein Bild oder mit dergleichen für vollendet
halten. Und an solchen fruchtbaren,
im weiteren Sinne fruchtbaren Köpfen hat es
unter den Künstlern Stuttgarts bis zur Wende
des Jahrhunderts offenbar gefehlt. So war es
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