Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 395
(PDF, 172 MB)
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MARCUS BEHMER EXLIBRIS

ALTERTÜMER

Liebhaberpreisen konnte ein schmaler Geldbeutel
schlechterdings nicht konkurrieren.

Ein paar Wochen später besuchte ich
ein neu eröffnetes Möbelhaus. In den Schaufenstern
und im ersten Stock wahrte man
nach besten Kräften moderne Haltung, offerierte
neueste Raumkunst für gutsituierte
Kreise. Im zweiten Stock wechselte man
anmutig ab in allen historischen Stilen von
der deutschen Renaissance abwärts; im dritten
Stock erschien Altes und Neues reizvoll gemischt
; im vierten Stock endlich gab es
schlichten Bürgerstil mit englischem Beigeschmack
. Ich fragte den Verkäufer: „Haben
Sie nicht auch ein japanisches Interieur auf
Lager?" — „Noch nicht," antwortete der junge
Mann, „aber demnächst. Wir haben geschwankt
, ob wir einen Versuch auf eigenes
Risiko unternehmen sollten. Nachdem aber
die letzten Japan-Ausstellungen so vortrefflich
gewirkt haben, erhielten wir sehr bald
eine ganze Reihe fester Bestellungen für
Japanstil, und ich hoffe, der Artikel bleibt
eine Weile im Lauf." — „Und wie steht es

hatte, an

war auf einer Auktion. Kera-
mischeundMetallarbeiten kamen
zuerst dran, und geduldig wartete
ich, bis meine hübschen
Zinnterrinen, auf die ich ein
begehrliches Auge geworfen
der Reihe waren. Aber je länger
ich wartete, desto länger wurde mein Gesicht.
Denn was für Preise wurden da gezahlt!
Eine schlicht bemalte Gemüseschüssel, Nürnberger
Fayence — 35 M., eine runde Fayenceplatte
mit Figuren und Blumen — 32 M.,
eine kleine Nymphenburger Tasse — 17 M.,
ein gläserner Henkelkrug mit Zinndeckel vom
Jahre 1573 — 70 M. Und als eine Partie
blau bemalter Schweizer Ofenkacheln nicht
recht ziehen wollte, da meinte der Experte
empfehlend: „Lassen sich im Rahmen verwenden
, als Wandschmuck!" Und siehe da,
der Wandschmuck ging für 36 M. glatt ab.
Als dann das Zinngeschirr ausgeboten und
gleich die erste Berner Kanne auf 130 M.
hinaufgetrieben wurde, entschloß ich mich
seufzend, heimzugehen. Denn mit diesen

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