http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0449
graphische Privatsammlungen angelegt wurden
, so empfiehlt man uns heute in öffentlicher
Auktion alte Ofenkacheln gerahmt an die
Wände zu hängen, und statt der geschmackvollen
Farbenholzschnitte und Radierungen,
die uns die modernen Künstler in reichlicher
Hausse mindestens in alttürkischen Teppichen
entfesseln, und die alten persischen Miniaturen
sollen gutem Vernehmen nach geradezu
sensationell wirken und die japanischen
Holzschnitte völlig schlagen. Die armen
Snobs! Was werden sie beginnen? Denn
MARCUS BEHMER
EXLIBRIS 0 □ □
Auswahl darbieten, kaufen wir wie besessen
Japaner, von denen immer neue Stöße urechter
uralter Drucke auf den Kontinent geworfen
werden. Irgendwo braucht nur eine
ostasiatische Ausstellung eröffnet zu werden,
und alsbald haben unsere Snobs ihr Herz
für Altchina, Korea und Siam entdeckt und
trachten nach der zeitgemäßen Erneuerung
ihres täglichen Milieus. Der Geist des seligen
Muhammed wird in München unfehlbar eine
die persische Altwaren-Industrie ist ja sicher
noch weit hinter der Kultur zurück und kann
weder mit den rührigen Fälschern Italiens,
die uns mit so reizenden Antiken beschenken,
noch mit denen von Paris, die sich auf
Münzen und Medaillen und Silbergeräte so
ausgezeichnet verstehen, auch nur einigermaßen
in Wettbewerb treten.
Wenn der Wohlstand eines Volkes, sein materieller
Kraftüberschuß, für einen im Kerne
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