http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0450
EXLIBRIS PAULMÄRSCH
marcus behmer exlibris
GABRIELE REUTER
leeren Aufwand vertan wird, so wirkt, das auf
die Dauer ungünstig auf die Qualität der Kraft
selber zurück. Und andrerseits: was für neue
wirtschaftliche wie sozialethische Kräfte werden
entbunden durch gute Anwendung nationaler
Ersparnisse! Kürzlich las ich von einem
Engländer, der seine Sammlung Altertümer im
Werte von einer Million seiner Vaterstadt vermacht
hatte. Die Sachverständigen erklärten
die Raritäten für falsch, und die Stadt lehnte
das Vermächtnis ab. Wenn alle Engländer so
unproduktiv gewirtschaftet hätten, wären sie
dann wohl heut das erste Handelsvolk der Welt?
Wer das Sammeln von Altertümern als
Modesport betreibt, der wird nur ein Ziel mit
Bestimmtheit erreichen, sein Geld wird er
los werden. Was er aber dafür erhält, ist
recht ungewiß. Man kann unmöglich von
heute auf morgen Kenner und Käufer zugleich
von japanischen Stichblättern oder mexikanischen
Töpfereien sein. Der rechte Sammler
wird im Laufe langer Jahre zum Kenner
seines besonderen Gebietes; er kennt den
Markt und hat es nach manchen kostspieligen
Erfahrungen gelernt, Gutes und Schlechtes,
Wahres und Falsches von einander zu scheiden
. Wer diese Mühen aber nicht auf sich
nehmen will, Mühen, die dem schließlichen Gewinn
erst den rechten Wert geben — wer sich
nur mit dem Nimbus des Auch-Sammlers umgeben
möchte, der ist auf dem Holzwege.
Und vollends, wer es immer noch für fair hält,
sein Leben mit exotischen oder historischen
Imitationen zu umgeben, der soll wissen, daß
er ein Banause ist und nichts weiter.
Aber schließlich: der kleine Japaner hat
damals den großen Russen bezwungen. So
wollen wir hoffen, daß die neuen Formen
unseres Kunstgewerbes am Ende doch stärker
sein werden als die gehäuften antiquarischen
Neigungen einer Zeit, die so unersättlich
ist nach Geschmack, daß sie am liebsten alle
Geschmäcker der Welt auf einmal besitzen
möchte. Eugen Kalkschmidt
marcus behmer exlibris
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