Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 400
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0451
EINE GESCHICHTE DES KUNSTGEWERBES

n unserer kunstwissenschaftlichen
Literatur macht sich mehr
4 und mehr größte Umständlichen
keit und Weitschweifigkeit der
Darstellung bemerkbar. Die
Tendenz aus jedem kleinen
wissenschaftlichen Ergebnis, ja nur aus einer
Reihe von Vermutungen ein großes Buch zu
machen, macht viele mißtrauisch. Man beurteilt
deshalb von vornherein kurzgefaßte
Darstellungen günstiger als dicke Folianten.
Wie oft könnte doch durch Abbildungen an beschreibenden
Worten gespart werden. Solche
Erscheinungen sind nicht geeignet das Verlangen
nach gründlicher kunstgeschichtlicher
Unterweisung zu fördern. Auch der Unternehmungsgeist
unserer Verleger erleidet dadurch
Einbuße.

Umsomehr freut man sich über das Erscheinen
eines Werkes wie der vorliegenden
„Illustrierten Geschichte des Kunstgewerbes".*)
Der Umfang dieses Werkes steht in richtigem
Verhältnis zu seinem Nutzen und zu seiner
Bedeutung. Es ist in zwei dicken Bänden
von etwa anderthalbtausend Seiten erschienen.
Auf jede Seite fast kommt eine Illustration.
Zwischen den Textseiten einige hundert Tafeln,
von denen sehr viele vielfarbig sind. Also
rein materiell gemessen haben wir's hier mit
einer geradezu imponierenden buchhändlerischen
Erscheinungzu tun. Selbst wenn dieser
nicht der Gehalt des Werkes ganz entspräche,
müßten Wille und Wagemut des deutschen
Verlegers Martin Oldenbourg in Berlin gerühmt
werden. Zur großen äußeren Form
kommt ein geschmacklich fein entwickelter
Sinn für Form. Den delikaten Einband entwarf
kein Geringerer als Emil Orlik. Satzspiegel
und Type sind klar und gut. Vorbildlich
ist die Art der Anordnung der Textillustrationen
. Die kleinen Autotypien geben
die Werke meist so wieder, daß man sich
von ihnen eine gute Vorstellung machen kann.
Einige der farbigen Tafeln sind an sich technisch
vorzügliche Leistungen. — Gewiß sind
Abbildungen kunstgewerblicher Werke nie Ersatz
für Werkkenntnis, aber unentbehrlicher
Anhalt sind sie für die künstlerische Belehrung
mit Worten. — Wegen der vorbildlichen

*) Illustrierte Geschichte des Kunstgewerbes
. Herausgegeben in Verbindung mit W. Behncke,
M. Dreger, O. von Falke, I. Folnesics, O. Kümmel,
E. Pernice und G. Swarzenski von G. Lehnert. Verlag
von Martin Oldenbourg, Berlin. Zwei Bände. —
In Pergament-Einband 48 M.

äußeren Form allein wird deshalb noch oft
auf dieses Werk hingewiesen werden müssen.
Es gereicht der Unternehmungslust und dem
Sachverständnis des deutschen Buchhandels
zur Ehre. Es bleibt ein Beispiel für vorzüglich
angelegte kunstwissenschaftliche Bücher.
Ein allumfassendes Handbuch des Kunstgewerbes
liegt uns hier vor, das durch Text und
Bild den Künstlern, den Handwerkern, der
Wissenschaft, der Allgemeinheit in gleicher
Weise zugute kommt.

Der Herausgeber hat tüchtige Kenner für
das Werk zu gewinnen gewußt, die ihre Aufgabe
in einer Weise erfüllten, wie wir sie
nur von einem idealen kunstgeschichtlichen
Handbuch erwarten können. — Welche Fülle
von Sachkenntnis, welche Masse von Arbeit
steckt in jedem Teile des Werkes! Es ist für
die gelehrten Verfasser geradezu kennzeichnend
, daß sie sich hier auch als erfolgreiche
Sucher nach knappstem Ausdruck hervortun.
Mit Ausnahme des zu umfangreichen Teiles
über die Kunst des 19. Jahrhunderts von Professor
Lehnert, sind alle Kapitel frei vom
Ueberflüssigen. Freilich scheint mir für einige
Kapitel der Raum doch etwas allzuknapp zugemessen
zu sein. Das gilt z. B. von der Renaissance
des Nordens. Geschichtlich ist solche
Kürze nicht gerechtfertigt. Aber der Verleger
war hierfür wohl noch maßgeblicher als der
Herausgeber, und wer einigermaßen gerecht ist,
muß ihm recht geben. Unsern Künstlern gibt
jetzt die nordische Renaissance mit ihren reichlichen
Auswüchsen zu wenig. Wer will es aber
einem Verleger verübeln, daß er auf die herrschenden
Interessen der vielen Künstler mehr
Rücksicht nimmt als auf die wenigen und „objektiven
" Historiker? Deshalb sind ja auch
die Epochen des Louis XVI. und Empire mit
gutem Grunde reichlicher bedacht als anderes
. — Auf die einzelnen Kapitel und deren
Verfasser einzugehen ist hier unmöglich.
Wenn es aber darauf ankäme, sich vom Texte
des ganzen Werkes die beste Vorstellung zu
verschaffen, so wären die meisterlichen Darstellungen
Otto von Falkes zu allernächst
zu empfehlen. Ich glaube nicht, daß so leicht
ein anderer diese Kapitel besser behandeln
und abfassen könnte. Die Sache ist hier durch
Kenntnis gemeistert und die Form der Darstellung
durch schriftstellerische Kunst.

Möchte der deutsche Buchhandel durch einen
großen Erfolg dieses Handbuches zu weiteren
ähnlichen Veröffentlichungen ermutigt werden.

Dr. E. W. Bredt

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400


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