Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 433
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SCHAUFENSTERDEKORATION (FRÜHJAHR 1910) DES WARENHAUSES A. WERTHEIM IN BERLIN

SC HAU FENSTERKUNST

ie erzieherische Bedeutung des
Schaufensters als wertvoller Vermittler
für die Bildung und Festigung
des guten Geschmacks in
den breiteren Schichten unseres
Volkes istsicherlich trotzmancher
neuzeitlichen Bestrebungen auf diesem Gebiete
noch nicht vollkommen erkannt und erschöpfend
gewürdigt worden. Es wäre sonst
wohl kaum möglich, daß man bei einem Gang
durch die Straßen unserer großen und größten
Städte auch heute noch trotz aller Schaufensterwettbewerbe
einer solchen Unsumme von Geschmacklosigkeiten
bei der Ausstellung der
Ladenfenster, selbst der besseren Geschäfte,
begegnen könnte. Das Geschmacksniveau der
Bewohner unserer Hauptstädte — von den
kleineren und kleinsten ganz zu schweigen —
ist eben heute noch ein so beschämend niedriges
, daß der allgemeine Tiefstand bei der
Ausstattung der Ladenfenster, die ein sicherer
Gradmesser des jeweiligen Kulturempfindens
und der künstlerischen Bedürfnisse eines Volkes
ist, nur hin und wieder durch einige glückliche
und Hoffnung erweckende Ausnahmen

in auffallender Weise unterbrochen wird. Es
gibt ja gegenwärtig in Deutschland unter den
nicht allzuvielen Gruppen von Schöpfungen
und Erzeugnissen der geübten Menschenhand,
die täglich und kostenlos allgemein kunsterzieherisch
und geschmackbildend auf die Massen
wirken können, nur Weniges, das seiner einwandfreien
Gestaltung nach dieser wichtigen
Forderung vollkommen genügte. Münzen und
Marken, jene allbekannten wirtschaftlichen Umlaufsmittel
, die täglich fast jedem Menschen
vor Augen kommen und einen hervorragenden
geschmackbildenden Einfluß auf ein Volk ausüben
können, sind bei uns so unkünstlerisch
und geschmacklos, daß sie nach dieser Hinsicht
keinerlei erzieherischen Wert besitzen.
Sieht man von dem Einfluß der relativ sehr
geringen Zahl neuzeitlicher guter und bester
Denkmäler ab, so bleibt eigentlich nur noch
das Schaufenster übrig, dem wir bei unseren
täglichen Gängen durch die Straßen der Stadt
beständig begegnen und das in der Ueberfülle
seiner Erscheinungen mit zu den wertvollsten
öffentlichen Lehrmeistern des guten Geschmacks
gehört, die kostenlos und nachhaltig durch gute

Dekorative Kunst. XIII. 9. Juni 1910.

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