http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0509
GESCHLIFFENES GLAS KÖRBCHEN, HENKEL AUS DER KONFEKTSCHALE MIT HELLER GRAVIERUNG □ PRIVIL.
MASSE GEZOGEN □ GLASFABRIK BLUMENBACH (EM. GLASFABRIK MEYRS NEFFE (ALBERT U. RUDOLF RITTER
ZAHN & M. E. GÖPFERT), BLUMENBACH (MÄHREN) V. KRALIK), ADOLF B. WINTERBERG (BÖHMEN)
denen man noch lange nicht weiß, ob sie Anklang
finden? Einzelne Versuche in dieser Richtungwaren
keineswegs ermutigend. Den Hauptgewinn
wirft nicht etwa die Veredlung des
Rohmaterials durch Arbeit ab, sondern der
Handel.
Außerdem sind doch die Verwendungsmöglichkeiten
für den Stein an sich sehr beschränkt
, und nur in Verbindung mit anderem
Material sind Schmucksteine ausgiebig
zu verwerten. Idar-Oberstein hat aber bis in
die neueste Zeit von anderen Industrien nur
noch die Herstellung von unechtemSchmuck
betrieben, zu dem weit mehr Glasflüsse aus
Böhmen und Paris verwandt werden, als echte
Steine. Die Verwendung zu echtem Schmuck
überließ man Pforzheim, Hanau und anderen
Orten, und erst in neuerer Zeit beginnt man,
auch echten Schmuck selbst herzustellen.
Vielleicht ist dies der erste Strahl einer Morgenröte
. Mit anderen kunstgewerblichen Industrien
sich in Verbindung zu setzen, hat man
bis jetzt unterlassen, und doch könnte man
die Schmucksteine im Bronze- und Kunstschmiedegewerbe
, in der Möbelindustrie, in der
Keramik, bei feinen Lederarbeiten, bei der Innendekoration
und noch bei gar manchen anderen
Zweigen des Kunstgewerbes verwenden
und den heimischen Verbrauch verzehnfachen;
vorerst wird aber dazu kein Bedürfnis empfunden
, da, wie schon erwähnt, der Export
geschäftlich völlig befriedigt. Aber die Sache
hat doch auch geschäftlich einen bösen Haken,
wenn man sie von einem anderen Gesichtspunkte
aus betrachtet. Wie wird sich das Geschäft
gestalten, wenn der Export aufhört
oder doch stark eingeschränkt wird, wenn der
Hauptabnehmer, die Vereinigten Staaten, seinen
Bedarf an Schmucksteinen selbst herstellt?
Das sei nicht zu befürchten, dazu seien drüben
die Arbeitslöhne zu hoch. Dasselbe haben
früher die Krefelder Seiden- und Samtweber
auch gesagt; aber als das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten seine Seidenindustrie
soweit hatte, daß sie den eigenen Markt decken
konnte, kamen Einfuhrzölle von einer Höhe,
454
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0509