http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0553
An geeigneten Stellen sind kleinere Lichtungen
für Sportplätze und Wirtschaften geschlagen.
Bei den Entwürfen für die verlangte „ländliche"
Wirtschaft und die Milchwirtschaft ist der
Unterschied zwischen Läugers und Schumachers
Architektur — auch für ihre Gartengesinnung
— bezeichnend: Läuger gibt ihnen eine Physiognomie
, die—ihrer Bestimmung gemäß—■
von schlichterer Art ist als die des Hauptrestaurants
und Cafes am großen Bassin
(Abb. S. 492—497), aber im Grunde doch den
gleichen Charakter trägt, so daß man spürt:
das ist von derselben Hand geschaffen. Bei
Schumacher finden wir als Milchwirtschaft die
Nachbildung eines Vierländer Bauerngehöfts.
Dieser Versuch, künstlich eine ländliche Idylle
zu schaffen, entspringt aus einer ähnlichen
Vorstellung wie die Strohhütten im sentimentalen
Park des 18. Jahrhunderts. Dasselbe,
was die Anlage des künftigen Gartens unbehaglich
macht: Dinge, die aus bestimmter
künstlerischer Anschauung hervorgegangen sind,
stehen neben solchen, die in erster Linie einer
romantischen Idee ihr Dasein verdanken.
Läugers Gebäude dagegen harmonieren miteinander
ebenso wie die einzelnen Teile der
gärtnerischen Komposition. Es ist alles aus
einem Guß.
Erfüllt Läugers Entwurf zum Hamburger
Stadtpark den Zweck, den Lebenden einen
Ort der Erholung und Freude zu geben, so
scheint sein Plan zu einem Friedhof bei
Bremen nicht weniger geeignet, den Toten
eine würdige Ruhestätte zu bereiten. Der
Grundriß (S. 500) und die Vogelschau (S. 501)
orientieren über die Gesamtanlage. In das
oblonge, unregelmäßig geformte Grundstück
ist der Hauptteil in Gestalt eines gestreckten
Kreuzes eingeordnet, derart, daß seine Längsachse
die größtmögliche Perspektive gewährt.
Dadurch wird eine klare Gliederung des Ganzen,
ein einheitlicher Zusammenschluß der einzelnen
M. LAUGER-KARLSRUHEed PROJEKT F. D. STADTPARK IN HAMBURG : BLICK ÜBER DIE KASKADEN AUF DEN WASSERTURM
■
" " 11 * 11
2Z
B
499
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_22_1910/0553