Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 22. Band.1910
Seite: 512
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FLORENCE JESSIE HÖSEL GESTICKTER WAND BEHANG

Hintergrund blau-lila; Mond silbern; Mohnblumen verschieden rot; Wiese grün, gelb, rot, blau und weiß

deren feine, eigenartige Schönheit sie, die
Fremde, merkwürdig glücklich herausspürt.

Sie komponiert dann auch in ganz freier
Weise große Wandbehänge mit schwebenden
Blütenblättern, Schmetterlingen und Pfauen und
Vögeln, so daß man fast an den Reichtum asiatischer
Dekorationen denkt. Alles schillert,
lebt, vibriert und ist doch weder grell noch
unruhig. Eine lebendige Phantastik ist darin,
die alles durchglüht.

Dann wieder finden wir Arbeiten, in denen
eine strengere Art gewahrt ist, in kleinen Vierecken
und leichter Stilisierung Vögel auf einfarbigem
Grund, Blumen, die sich noch zu
ranken scheinen, und man denkt an farbenschöne,
persische Kacheln, die die Wand schmücken.

Noch mehr ist diese kräftigere Stilisierung
betont in Aufnäharbeiten, wo die Raumverteilung
energisch und bewußt gegliedert ist,
wo die Behandlung der Form in ausgesprochen
textiler Manier flüchtig durchgeführt ist und
wir die Berührung mit dem Sachlichkeitsstil

der Gegenwart spüren. In der sparsameren Verwendung
der Farbe, in dem sicheren Mitsprechen
des Grundstoffs, macht sich der Einfluß der
modernen, dekorativen Schulung bemerkbar.

Der moderne Geschmacksfanatiker mag sagen,
daß der dekorativ erzogene Geschmack oft eine
energischere Formung verlangt, daß manchmal
die Farben zu bunt in ihrer Fülle sind und
daß vielleicht den Schöpfungen im ganzen
noch etwas von jenem (wenn auch reifen)
Dilettantismus anhaftet, der sich an sich selbst
verliert, statt zu der Gemeinsamkeit eines Stils
zu streben. Doch ist das hier nebensächlich.
Die persönliche Note ist stark genug, Einwände
dieser Art vergessen zu machen. Man sieht
gern von der Regel ab. Naturgefühl und Technik
gehen hier überraschend zusammen, und man
spürt in dem Vorwalten eines wirklichen Könnens
und eines speziell weiblichen Empfindens jenes
Zwingende der Erscheinung, das nur den künstlerischen
Schöpfungen eigen ist, die für sich
stehen. Ernst Schur

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