Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 133
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GOETHES FARBENLEHRE UND DIE
MODERNEN THEORIEN

Von Ernst Berger

Ein Jahrhundert ist verflossen, seit Goethe
in dem 1810 erschienenen „Entwurf zur
Farbenlehre" mit seinen Untersuchungen über
das Wesen der Farben an die breitere Oef-
fentlichkeit trat. Nachdem er sich durch immer
wieder von neuem vorgenommene Studien auf
dem Gebiete der Optik mit dem Thema genügend
vertraut gemacht, sowohl die Beschaffenheit
der Farben und ihr Verhältnis zum
Licht, von der physikalischen, physiologischen
und selbst auch von der chemischen Seite aus
studiert, mit großem Fleiße und mit Aufwand
wissenschaftlicher Ameisenarbeit die geschichtlichen
Belege gesammelt hatte, glaubte er den
Zeitpunkt für gekommen, gegen die ihm falsch
scheinende Newtonsche Theorie mit aller ihm
zur Verfügung stehenden Beredsamkeit Stellung
zu nehmen.

Die gelehrte Welt hatte wohl längst der
Newtonschen Theorie von der Zerlegbarkeit
des weißen Lichtes in die sogenannten spektralen
Farben in allen Konsequenzen beigestimmt
als einer feststehenden, mathematisch
und physikalisch bewiesenen Tatsache. Aber
Goethe fühlte die Kraft in sich, an der Hand
der von ihm näher untersuchten „Phänomene"
der Newtonschen eine neue Theorie entgegenzusetzen
und er erklärte:

1. „Das Licht ist nicht aus Farben zusammengesetzt
, sondern das einfachste, unzerlegteste, homogenste
Wesen, das wir kennen.

2. Jedes Licht, das eine Farbe angenommen hat,
ist dunkler als das farblose Licht; das Helle
kann nicht aus der Dunkelheit zusammengesetzt
werden.

3. Inflexion, Refraktion, Reflexion sind Bedingungen
, unter denen wir oft Farben er scheinungen
sehen, aber sie sind mehr Gelegenheit
zur Erscheinung als Ursache derselben.

4. Es gibt nur zwei reine Farben, Blau und Gelb,
eine Farbeneigenschaft, die beiden zukommt,
Rot, und zwei Mischungen, Grün und Purpur.
Das übrige sind Stufen dieser Farben oder unreine
.

5. Weder aus den apparenten Farben kann farbloses
Licht, noch aus farbigen Pigmenten ein
weißes zusammengesetzt werden. Alle aufgestellten
Experimente sind falsch oder falsch angewendet
.

6. Die apparenten Farben entstehen durch Modifikation
des Lichts durch äußere Umstände. Die
Farben werden am Licht erregt, nicht aus
dem Lichte entwickelt. Hören die Bedingungen
auf, so ist das Licht farblos wie vorher, nicht
weil die Farben wieder in dasselbe zurückkehren
, sondern weil sie cessieren. Wie der
Schatten farblos wird, wenn man die Wirkung
des zweiten Lichts hinwegnimmt."

Man erkennt aus diesen schon 1793 an
Jakobi mitgeteilten Grundprinzipien den später
im „didaktischen" und im „polemischen" Teil
seiner Farbenlehre eingenommenen Standpunkt.
Goethe schließt sich hier der altbekannten Theorie
der drei Grund- oder Primär-Farben und
den aus diesen zu mischenden Sekundär-Farben

P. PÖPPELMANN WEIBLICHE FIGUR

Erste Ausstellung der Künstlervereinigung Dresden

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