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VON AUSSTELLUNGEN
rung gebracht, wie manchesjahr seit der„Nordischen
Ausstellung" in der Secession vergangen ist, wo zum
letzten Male solcherlei zu sehen gewesen war. Diesmal
ist der Eindruck umso stärker, als einzelne
Individualitäten ausführlich das ihnen Eigentümliche
durch eine größere Anzahl ihrer Werke dartun konnten
. Allen voran ist der unter ihnen am wenigsten
abhängige zu nennen, Anders Zorn, der freilich
nur durch Radierungen vertreten ist; was dieses
„nur" bedeutet, braucht nicht erst wieder dargelegt
zu werden. Ihm zunächst steht als Impressionist
der Bildhauer Carl Milles, denn auch er läßt die
im Festen lebendige Form aus einer zuckend bewegten
Technik uns erblühen. Seine kleinen Figürchen
und die durch ihre Unmittelbarkeit des psychologischen
Erfassens ebenso wirksamen Büsten, durch
die sich Milles in die Nähe von Troubetzkoi, Rodin
und Vallgren rückt, finden eine Fortsetzung in Plastiken
, die mehr aufs dekorative Ganze gehen.
Diese Tendenz, obwohl sie nicht wegzuleugnen ist,
tritt bei dem Landschafter Gustaf Fjaestad doch
für die Beschauer vor der Naturtreue seiner Schneebilder
zurück. Die heilige Stille des Winters ist
schweigsam durch die wenigen Farben wiedergegeben,
aber das Weiß und Grau und,
wenn das Frühjahr das Erstarrte
löst, Braun, erscheint
unerschöpflich an Abstufungen
. Ein gegenständlich schon
bekanntes Thema, das er noch
einmal in dem Zyklus „Das
Haus in der Sonne" gefällig
abwandelt, beschäftigt Carl
Larsson in seinen farbenfrohen
Aquarellen, die sauber umrissen
Freude und Optimismus
atmen, wenn sie Arbeit und
Spiel und Familienfeste schildern
. Uns die Dargestellten
nahe zu bringen, das sind auch
die Porträtisten Gustaf Bernhard
-Oestermann und Emil
Oestermann wohl imstande,
die sich auf die farbige Haltung
der modernen Herrenkleidung
nicht minder gut verstehen, als
auf die Charakteristik ihrer gesellschaftlich
hochgestellten
Modelle; eine behaglich warme
Stimmung ist über das Doppelporträt
zweier Kollegen (Nach
dem Festmahle) von Emil
Oestermann gebreitet. Etwas
flauer und mitunter hart sind
die Bildnisse von Oscar
Björck. Abgesehen von den
italienischen Szenen des Olle
Hjortzberg, der tiefe und
satte Töne liebt, und den bei
aller Südlichkeit schummrigen
Landschaften des Pelle Sved-
lund begegnet man weiterhin
auf den Bildern dieser Schweden
nur ihrer Heimat, landschaftlich
in allen Jahreszeiten
erfaßt, mit einem Zug ins Große
und Phantastische durch Otto
Hesselbom, mit einer hübschen
, an die Japaner gemah- edmund körner
nenden Subtilität durch Oscar Erste
Bergmann, durch Anselm Schultzberg, Fahlcrantz
, Kallstenius, Wilhelm Behm, Gunnar
Hallström u. a. mehr. Die Radierungen von Ferdinand
Boberg und Holzschnitte von Sigge Berg-
ström, die Porträtreliefs von Erik Lindberg bringen
einige Abwechslung in die Bildersäle.
WIESBADEN. „Die Hessen".WährenddesMonats
W Oktober fand im Festsaal des Rathauses zu
Wiesbaden eine vom dortigen Nassauischen Kunstverein
veranstaltete zahlreich besuchte Ausstellung
statt. Dem Zug der Zeit nach haben sich seit Jahresfrist
auch die Künstler, die in Kurhessen leben,
dort gebürtig sind oder dort ihre Motive holen, zu
einer freien Gruppe mit dem Namen „Die Hessen"
zusammengefunden. Leider fehlte bei der Ausstellung
der Mann, den man als ihren Führer wird ansprechen
dürfen, und der auf eine ganze Anzahl
älterer und jüngerer Mitglieder der Gruppe unverkennbar
eingewirkt hat, Karl Bantzer, ganz und gar,
da die Bilder, über die er gerade verfügen konnte,
schon öfter das Wiesbadener Publikum erfreut hatten.
Aber auch so blieb des Interessanten und Erfreulichen
genug; Giebel, Meyer-Kassel, H. Otto,
alte Sternwarte in danzig
Aasstellung der Künstler Vereinigung Dresden
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