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VON AUSSTELLUNGEN — PERSONALNACHRICHTEN
Ubbelohde, Waentig und andere, waren mit Gemälden
und meist auch mit Radierungen gut vertreten
. Dazu kamen von jüngeren Kräften der Bantzer-
Schüler Kakl Heine mit feinen, farbenfrohen Porträts
, Otto Lang-Wollin mit seinen breiten und
wuchtigen Darstellungen von der Wasserkante und
der stimmungsvolle Radierer Herm. Kätelhön mit
Szenen aus der Schwalm, deren malerische Reize
die Künstler von nah und fern immer von neuem
anziehen. Erfreulicherweise stellte sich auch bald
die Fühlung zwischen Ausstellern und Publikum
her, ohne die die Kunst nun einmal nicht gedeihen
kann: zahlreiche größere und kleinere Werke wurden
von fremden und einheimischen Liebhabern erworben
. Auch hier zeigte sich also wieder, daß
Wiesbaden — ganz seinem Ruf entgegen - - unter
Umständen ein recht guter Kunstmarkt sein kann. l.
ZÜRICH. Im Züricher Kunsthause sind seit kurzem
zwei erst unlängst verstorbene Kunstgrößen zu
Gast: der Berliner Walter Leistikow und Ludwig
Schmid-Reutte, der erste mit Landschaften, der
letztere ausserdem auch mit figürlichen Arbeiten,
beide leider aber mit Schöpfungen, die wenig dazu
geeignet erscheinen, uns einen rechten und vorteilhaften
Begriff von den superioren Qualitäten ihrer
Schöpfer zu vermitteln. Insbesondere gilt dies von
den Landschaften Schmid- Reuttes, die in ihrer
stumpfen, konventionellen Art einen wenig erfreulichen
Eindruck hinterlassen, indes einige Porträtköpfe
voller schlagender Charakteristik und einige
größere Kompositionen („Kain", „Sklave" u. a.) wenn
auch nicht koloristisch, so
doch in formaler Hinsicht
schon eher zu imponieren
vermögen. Was aber Leistikow
anbelangt, so bekommen
wir von ihm nur
Schweizer und Tiroler Motive
zu sehen, die in einzelnen
Stücken, wie der
stimmungsvollen „Wolken-
schatten"-Landschaft, der
merkwürdig leuchtenden,
stilisierten „Gebirgslandschaft
", dem eigentümlich
beleuchteten „Gletscher
von Argentiere" und einigen
sonnigen Gouachen
wohl auf einen talentierten,
großzügigen und idealistischen
Landschafter, nicht
aber auf den großen Stilisten
Leistikow schließen
lassen. — Ein eigenartiges
Talent ist der Schweizer
Frank Behrens, der sich
in zwei ehernen Akten „Morgen
" und „Abend" und einer
eindrucksvollen Komposition
„Reue" über ein bemerkenswertes
Können
ausweist, eine ebenso energische
, wie geschmackvolle
Künstlerin Martha Kunz
in München, deren Landschaften
eine außerordentlich
intensive Stimmung
atmen. Frische, sonnige
und farbenfrohe Studien aus
CARL HAESER
Erste Ausstellung der Künstlervereinigung Dresden
Venedig liefert Carl Felber in Dachau, ein auch als
Radierer begabter Künstler, dem nur zu wünschen
wäre, daß er seine Häuser und Brücken weniger konstruieren
(und dazu falsch konstruieren!) als sehen
und malen möchte, phantasievolle, stilisierte Radierungen
und gewandte Zeichnungen der Züricher
Hermann Huber. Augusto Giacometti in Florenz
aber versteht es, durch Nebeneinandersetzen
größerer Farbflächen eigenartig leuchtende, kleine
Landschaften zu schaffen und er wird in dieser
Fertigkeit noch übertroffen, von Paul Klee in München
, der seine frappierenden, oft allzu karikierten
Landschaften und Figuren zur Abwechslung auch
aus wenigen, scheinbar unsicheren Federstrichen
erstehen läßt. Dr. S. Markus
PERSONAL-NACHRICHTEN
D ERLIN. Zu Senatoren der K. Akademie der Künste
in Berlin wurden die Maler Professor Hans
Herrmann und Professor Conrad Kiesel, beide
in Berlin, gewählt.
r^ERA. Der in Berlin lebende Bildhauer Hein-
rich Günther wurde zum Professor ernannt.
CTUTTGART. Als Nachfolger Ludwig Habichs
^ wurde der Bildhauer Ulfert Janssen in München
zum Professor für dekorative Plastik an der
Technischen Hochschule in Stuttgart ernannt (s. seine
in dieser Zeitschrift reproduzierten Werke, Jahrgang
1907/8, S. 48 und 526 und Jahrgang 1908/9,
S. 529).
WHEN. Bald nach Vol-
™ lendung seines 70. Lebensjahres
ist Professor
Sigmund L'allemand gestorben
, am bekanntesten
durch seine Schlachtenbilder
und durch den im Hofmuseum
befindlichen „General
Laudon zu Pferde".
Eine bestimmende Richtung
auf diesem Gebiete hatte
er schon von seinem Oheim
Fritz L'Allemand erhalten,
ehe er auf der Akademie
seiner Vaterstadt Wien bei
Rüben und später Karl
Blaas die Unterweisung
empfing, die er selbst als
Blaas' Nachfolger im Amte
fortsetzte. Nach der Darstellung
von Szenen aus
der historisch gewordenen
österreichischen Kriegsgeschichte
, für die er auch
die landschaftliche Situation
getreulich rekonstruierte,
wendete er sich den Begebenheiten
der Gegenwart zu,
indem er die Feldzüge der
sechziger Jahre schilderte.
In den letzten Jahrzehnten
war L'Allemand fast ausschließlich
als Porträtmaler
tätig; von ihm stammen viele
Repräsentationsbilder aus
den hohen militärischen
Kreisen, wo er sich der größten
Wertschätzung erfreute.
ich kann warten
Redaktionsschluß: 8. November 1910
Herausgeber: F. Schwartz. Für die Redaktion verantwortlich: P. Kirchgraber. —
Sämtlich in München
Ausgabe: 24. November 1910
Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G.
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