Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 145
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EDOUARD MANET

CLAUDE MONET UND SEINE FAMILIE (1874)

EDOUARD MANET

Von G. J. Wolf

Nichts auf der Welt scheint heftigeren Schwankungen
unterworfen zu sein als das Urteil
über Werke der Kunst und ihre Schöpfer.
Manets Beispiel lehrt dies mit bitterer Schärfe.
Als der Künstler im Jahre 1859 seinen „Absinthtrinker
" im „Salon" zeigte, erhob sich ein
Lärmen und Grollen, das immer brausender
anschwoll, das zum Orkan wurde, als im Jahre
1865 im „Salon" die „Olympia" erschien.
Manet war damit nicht nur künstlerisch, sondern
auch gesellschaftlich unmöglich geworden. Als
er im Weltausstellungsjahr 1867, gleich Courbet,
in einer Holzbaracke am Pont de f Alma fünfzig
seiner Werke vorwies, da erntete er Spott und
Hohn; Presse und Karikatur fielen über ihn
her und begeiferten seine Kunst. Und so ist
es geblieben, bis Manet am 30. April 1883,
ein Fünfzigjähriger, die Pinsel für immer aus
der Hand legte. Ein Häuflein treuer und verständnisvoller
Menschen, Kritiker, Maler und
Kunstfreunde, stand wohl bei ihm — aber sie
vermochten in die abweisend starre Phalanx
einer mißgünstigen Majorität keine Bresche
zu legen. Manets literarische Schildknappen,
Baudelaire und Zola, wurden niedergezischt,
wenn sie für den Meister ihre Stimmen erhoben
. Die Maler aber, die sich ihm anschlössen
, die „Impressionisten" genannt, die
Andacht und Schönheit säeten, ernteten, ihrem
Vorbild gleich, Hohn und Verachtung ....
Das Jahr 1884 brachte den Umschwung. Es
gelang Manets Freund Antonin Proust, der als
Abgeordneter
der herrschenden
Partei und
als ehemaliger
Staats-
ministersei-
nen politischen
Einfluß
in die
Schale werfen
konnte,
dem widerstrebenden
Ministerder

schönen
Künste—es
war damals

Jules Ferry bildnis edouard manets

— das Lokäl aus einem Gemälde von Fantin-Latour

Die Kunst für Alle XXVI. 7. r. Januar 1911

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