Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 188
(PDF, 168 MB)
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VON AUSSTELLUNGEN

Skala zum Weiß sich wendet, und Franz Hals
sieht in einer Reihe von Bildern die in der
freien Natur durch die Atmosphäre abgewandelten
Farben. Er ist also ein Freilichtmaler,
der zu einem Teile seine Bilder auch im Freien
beendet haben muß, wie es z. B. auf einem
Familienbilde in Berlin bemerkbar ist. Hier
sind die Eltern im wesentlichen im Atelier
gemalt, die spielenden Kinder, als sie sich
wirklich im Garten bewegten.

Gleichzeitig schuf als Lichtmaler und zwar
ebenfalls häufiger, wie etwa in den kleinen
Landschaften, in einzelnen Genrebildern unmittelbar
vor der freien Natur, Velasquez.

Am auffallendsten ist, daß fast alle die
großen Landschafter des 17. Jahrhunderts sich

HUGOSIEG WART ATHLET

in den Niederlanden — hier mit fast alleiniger
Ausnahme des van der Meer van Delft —,
wie in Frankreich nicht zu Freilichtmalern
entwickelten. Denn wie sehr gerade dies Motiv
dazu anregte, beweisen am besten die in Aquarell
hingesetzten Landschaften Dürers, dessen
Ansicht von Nürnberg sogar den bläulichen
Ton im lichterfüllten Schatten, die feine Auflösung
der Massen im Licht wahrnehmen läßt.
Ob die alten Niederländer, wie moderne Maler
behaupten, ihre Landschaften wesentlich heller
gehalten haben, als wie wir sie heute mit dem
„Galerieton" behaftet sehen? Entwicklungsgeschichtlich
muß man zustimmen, aber vergessen
darf man nicht, daß diese Landschafter
sicher der „Tonmalerei" gehuldigt, die Bildfarben
„gestimmt" haben, um eine geschlossene
koloristische Haltung zu erzielen, sicher
zu einem Teil aus einer gewissen Furcht vor
dem zerstreuenden Sonnenlicht.

Als Resultat der besonderen malerischen Bestrebungen
des 17. Jahrhunderts dürfen wir eine
eingehende Behandlung der Lichtfragen vor der
freien Natur wie im geschlossenen Raum betrachten
.

Wenn zu Beginn des 15. Jahrhunderts die
große Entwicklung der Malerei überhaupt mit
dem allgemein vertieften Innenleben der Menschen
zusammenhing, so dürfen wir für das
Ringen der Malerei des 17. Jahrhunderts um
das Licht, um die „Tonwellen" auf eine besondere
Phase des allgemeinen Fortschreitens
künstlerischen Empfindens Bezug nehmen, d. h.
auf die Musik. (Der Schluß folgt)

VON AUSSTELLUNGEN

FRANKFURT. In der letzten Zeit hat die Frank-
A furter Kunst selbst im Mittelpunkt unserer Kunstausstellungen
gestanden. Zunächstbrachte der Kunstsalon
Schames Kollektionen von Ines Wetzel und
Alfred Oppenheim. Ines Wetzel kann als das
ursprünglichere, naturnähere Talent erscheinen. Ihre
Bilder fesseln durch eine große Frische und Unmittelbarkeit
des Schauens und Empfindens, die
Künstlerin beherrscht das, was den Bildaufbau ausmacht
, die Oekonomie des Raumes und der Farbe,
und auch ihre Wiedergabe des Lichtes und der atmosphärischen
Stimmungen ist sicher und fein. Neben
ihr erscheint Alfred Oppenheim als der minder unmittelbare
, als der dank einer guten französischen
Schulung kultiviertere Künstler. Er kommt nie in
Gefahr, sich an das Naturgegebene zu verlieren;
bei ihm wird der Natureindruck sogleich von einer
bewußt formenden Betrachtungsweise umgebildet.
— Die zwölfte Jahresausstellung der Frankfurter
Künstler im Kunstverein erhob sich in diesem
Jahre entschieden über das Niveau ihrer Vorgängerinnen
; denn endlich haben sich nach langer Trennung
die Frankfurter Künstler zu einer gemeinsamen
Ausstellung zusammengefunden. Der Schwer-

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