http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_23_1911/0306
VON AUSSTELLUNGEN
heinrich von zügel zeichnung
Winter-Ausstellung der Münchner Sccession
/^RAZ. Wenn die internationalen Ausstellungen
geschlossen werden, beginnt hier die Kunstzeit.
Sie begann mit der elften Jahresausstellung des
Künstlervereins, welche diesmal besonders reich
mit öffentlichen Auszeichnungen bedacht war. Auf
die 259 Werke der Malerei, Zeichnung, Plastik und
Nutzkunst fiel ein Staatspreis (Radierer Luigi Kasimir
), vier goldene Medaillen (H. v. Bartels, H. Hermann
, Th. Stundl, A. Zoff), sechs silberne Medaillen
(Damianos, Stössel, Pamberger, Wege-
rer, Hoernes, Ehrenhöfer), ein Gemeindeankauf
(B. Konrad) und drei Stiftungsankäufe (Damianos
, Egner, Mytteis). Von auswärts hatten
noch Dettmann, Douzette, Goltz, Pippich und
Vera v. Bartels ausgestellt, welch letztere sich
als Malerin mit gleich sicherer Kraft einführte, wie
Tanno Hoernes als Radiererin. Unter den hiesigen
Malern wären noch Kraus, Marussig und Bergmeister
, unter den Bildhauern Ernst Wagner
und Erwin Granner hervorzuheben; alle zu nennen
wäre unmöglich, denn es hatten sich gegen 60 Einheimische
beteiligt. - - Der Heimatschutzverein veranstaltete
eine kleine Ausstellung über heimische
Bauweise in Deutschland und einen erfolgreichen
Wettbewerb für Briefverschlußmarken. Schließlich
kam der Kunstverein mit seiner reichhaltigen und
darum in zwei Serien geteilten Winterausstellung;
sie enthielt Oelgemälde von 27 Düsseldorfer Künstlern
(unter diesen namentlich von Max Claren-
bach, Eugen Kampf und Ernst Paul), zwölf
Landschaften des verstorbenen LudwigWillroider,
eine schöne Münchner Kollektion (Bauriedl, Bech-
ler, Dheher, Eichler, E. und F. Erler, Feldbauer
, W. Geiger, O. und Z. Graf, Gregoritsch,
Habermann, Hans Heider, Jank, Keller,
Ph. Klein, Münzer, Püttner, Putz, Reiser,
Schnackenberg, Weise), ferner einzelne Bilder
von Otto Fischer, W. Georgi, G. Kuehl,
M. Liebenwein. Neben diesen unser Kunstleben
sehr auffrischenden Gästen behaupteten sich die
18 teils hier, teils auswärts lebenden Grazer in allen
Ehren, namentlich Hallavanya, F. v. Koch und
Zeillinger als Impressionisten, Karl v. O'Lynch
und Rudolf Andre (Malereien und farbige Zeichnungen
), Alfred v. Schrötter (Bildnis des Dichters
Emil Ertl), Norbertine Roth (vortreffliche Tierbilder
) und Marie Herberger (ausgezeichneteNutzkunst
). Die Abteilung für Griffelkunst brachte u. a.
Radierungen von Bell, Felber, Heroux, Kollwitz
, Welti und Klingers zweite Folge des Zyklus
„Vom Tode", welche der Kunstverein als Mitglied der
Verbindung für historische Kunst erhalten und dem
Kupferstichkabinett geschenkt hat. dr.
I/" ÖLN. Die bei Schulte ausgestellte Kollektion
von Werken H. Thoma's bot zwar nichts Neues,
gab aber allerlei liebe Erinnerungen. Erfreulich
Neues hatte der junge Düsseldorfer E. v. Perfall
zu zeigen, der in Landschaften aus Italien und dem
Norden dartut, daß er neuerdings die Konturen minder
hart, die Schatten minder grell blau sieht; die
Weiterentwicklung scheint auf einen geschmackvollen
Kolorismus hinzudeuten. Eine umfangreiche
Kollektion von Ch. Cottet (Paris) ließ die bekannten
Werte dieses Malers der normannischen
Fischer und bretonischen Schiffer erkennen, auch
bis zur Ermüdung die Monotonie der Typen und
Gesten, und die schmutzige Schwärze der Malerei
aus der Nachfolge Courbets. Der Kunstverein brachte
neben einer Anzahl liebenswürdiger Landschaften
von H. Völcker (Wiesbaden) die sehr reichhaltige
Nachlaß-Ausstellung von Fritz Overbeck, dessen
Werke alle diese eigenartige Stimmungskraft und
den schweren malerischen Vortrag haben, wie sie
261
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_23_1911/0306