Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 352
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EUGENE DELACROIX LITHOGRAPHIE ZU GOETHES FAUST. DOMSZENE

AUS EUGENE DELACROIX' TAGEBUCH*)

Es herrscht das Vorurteil, daß man Kolorist
von Geburt sein muß und Zeichner durch
Uebung wird; „Nascuntur poetae, fiunt orato-

resk

Die malerischen Lizenzen: Jeder Meister
verdankt oft ihnen die erhabensten Wirkungen.
Das Unfertige bei Rembrandt. Das Uebertrie-
bene bei Rubens. Die Mittelmäßigkeit kann
solche Sachen nicht riskieren, sie ist niemals
außer sich.

*) Wir entnehmen diese Aussprüche zum Teil der von Erich
Hancke bearbeiteten deutschen Ausgabe des Tagebuchs (Verlag von
Bruno Cassirer, Berlin).

Der Künstler verdirbt also das Bild nicht,
indem er es vollendet, nur zeigt er sich, indem
er der Auslegung die Tür verschließt,
auf das Unbestimmte der Skizze verzichtet,
mehr in seiner Persönlichkeit und zeigt die
ganze Ausdehnung, aber auch die Grenzen
seines Talentes.

Ex professo überKunst schreiben, Abteilungen
machen, methodisch behandeln, Schlüsse ziehen,
Systeme aufstellen, um kategorisch zu unterrichten
; das ist alles Torheit, verlorene Zeit.
— Der geschickteste Mensch kann für die

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