Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 356
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AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

einen „Weg" und ein Feld mit Garben ausgestellt,
eigenartig im Ausschnitt, aber nicht gerade anregend
als Proben einer weitere Entwicklung verheißenden
starken Persönlichkeit. In der Beziehung gibt
Pechstein ungleich mehr, der in seinen Stilleben
etwas stark auf grobe Farbkontraste gestellte Kombinationen
, in seinen Bildnissen aber wirklich
packende, in ihrer Innerlichkeit herausgebrachte
Menschen zu geben versteht. Pechstein, der ja
zweifellos sein gelegentlich einmal gar zu arg durchgehendes
Temperament zu mäßigen wissen wird,
ist entschieden die stärkste Begabung in diesem
Kreis. Dagegen enttäuscht Emil Nolde, der in
letzter Zeit Vielgenannte, diesmal wohl auch seine
treusten Anhänger. Was sein unbeschreiblich ver-
klexter und formloser „Christus in Bethanien" bedeuten
soll, ist kaum erfindlich, er erscheint als
reiner Akt der Willkür.

Auch die Bilder einiger anderer Maler lassen
ganz und gar das Zwingende vermissen, das „So
und nicht anders", sondern zeigen sich als das was
sie sind, nämlich als oberflächliche, auf grobe Aeußer-
lichkeiten gestellte Nachbetereien eines Gauguin,
Hodler, Cezanne, die aber ganz erheblich anderes
in ihrer Kunst gewollt und erreicht haben. An
gesuchter Primitivität, götzenhaften, roh zusammengesetzten
Figuren, deren Anstrich (man kann da
kaum von Kolorit reden) sich zwischen den ungemischtesten
Tönen, einem Paprikarot oder Schwefelgelb
bewegt, leisten Erich Heckel und E. L.
Kirchner, beide in Dresden, Erkleckliches. Moritz

Melzer läßt dagegen in einer zwar gleichfalls höchst
willkürlich gemalten, aber mit gutem Geschmack
und einem gewissen Verständnis für den Freskenstil
gezeichneten Figurenkomposition sowie in kleineren
, ganz amüsanten Straßenbildern auf eine vielleicht
aussichtsreichere Zukunft schließen. Otto
Mueller in Steglitz stellt zwei geschmackvolle und
in ihrer dekorativen Wirkung recht sympathische
Porträts sowie einen Frauenakt aus, Arthur Segal
bemüht sich in einer merkwürdigen Farbentechnik,
die ein Mosaik aus langen, fadenartigen Strähnen
aufweist, nicht ohne Erfolg, besonders starke „orientalische
" Effekte zu erzielen, Georg Tappert führt
einige Aktfigurenbilder vor, die nicht übel sind, und
Bartholdt Asendorpf bringt ein etwas farbenschweres
Selbstbildnis sowie zwei Strandbilder, die
auf einen dunklen graublauen Ton abgestimmt sind.
Mit den gar zu sehr ä la Cezanne gehaltenen Stillleben
Cesar Kleins, den recht äußerlichen Arbeiten
von H. Richter, F. Rosenkranz und den
wirksamen aber farbig sehr rohen Werken Schmidt-
Rotluffs vermag ich mich dagegen weniger zu
befreunden. j. Sievers

AUS DEN BERLINER KUNSTSALONS

Tn den Kunstsalons hat es in letzter Zeit eine
fast übergroße Zahl von Veranstaltungen sehr
verschiedenen Wertes gegeben. Zu den interessantesten
Darbietungen zählt eine Kollektion Gau-
GUiN'scher Bilder, die Gurlitt zeigte, Werke reli-

eugene delacroix die beiden foscari

Museum Conde, Chantilly

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