Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 23. Band.1910
Seite: 446
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BRIEFE VON CARL RAHL AUS DEN JAHREN 1844-1850

ein thatenloser, weil er ohne begeisterte Idee
ist; so lange wir so gut wie nichts thun und
denken, als was erlaubt ist, thut anderwärts
Jeder, was nicht verboten ist — ein sehr
großer Unterschied.

Ich habe mir allerorts viele Freunde gemacht
und alle mögliche Aufmerksamkeit eingeerntet
; jeden Tag drei bis vier Einladungen
zu Tische und zu Promenaden, Abendgesellschaften
, und bin meistens der Held des Tages
gewesen ; außerdem habeich hundert Louisd'or
in der Tasche und hoffe, binnen wenig Wochen
noch andere hundert dazu zu stecken. Hier
tritt nun eben ein Comite zusammen, um
von mir ein großes Bild für die schleswigholsteinischen
Stände malen zu lassen, 15 Fuß
lang und 10 Fuß hoch. Der Gegenstand ist,
wie Herzog Adolf von Holstein die angebotene
Krone ablehnt und seinen Neffen Christian
dazu empfiehlt. Ob es gelingen wird,
kann man noch nicht wissen, in wenig Wochen
wird es sich entscheiden. Von lauter
Diners, Soupers und Champagner bin ich so

AUGUST ROTH

BADENDES MÄDCHEN

Frühjahr-Ausstellung des Wiener Hagenbundes

dick geworden, daß mir alle Kleider zu eng
geworden sind. Nun steht noch etwas in
Aussicht, allein dies kann ich euch vor der
Hand noch nicht schreiben.

Ich reise hier bald von Hamburg nach Kiel,
Nöhr zum Statthalter oder Föhr zum Könige
von Dänemark, nach Sonderburg zum Baron
Plessen oder Falkenbergzum Baron Bloome etc.
kurz, durch das ganze Land wie ein Inspec-
tions-Officier und esse und trinke gut und
köpfe die Menschen. Grüße mir meine gute
Mutter fleißig und ich bitte dich, stehe ihr
bei. Du und der gute Wittmann, ihr seid
ihre besten Stützen, vielleicht wird bald Alles
anders. Lebe wohl, alter und wirklich ehrlicher
Freund, und sei glücklich mit deiner
ganzen Familie; ich will vorwärts streben
durch die ganze Welt, durch Leiden und Freuden
zum endlichen Nichts, unserem gemeinschaftlichen
Ziele.

Dein ewig aufrichtiger Freund C. Rahl

Hamburg, den 28. October 1845

Mein lieber alter Freund!

Uebermorgen verlasse ich Hamburg
, nachdem ich noch bei einem
furchtbaren Sturme auf der Ostsee
nach Kopenhagen fuhr, wo
ich die Königin malen sollte,
welches aber, einiger Hindernisse
wegen, nicht geschah. Dies zu
erzählen wären aber zwei Bogen
Papier nöthig. (Hofintriguen mit
einem Worte.) Ich malte bis jetzt
den Herzog und die Herzogin von
Augustenburg, den Prinzen-Statthalter
von Schleswig-Holstein, Barons
Plessen, Baronessen Blom's,
Etatsrath Falk, Prf. Christiansen
von Kiel und einige obscure
Männer zu großer Bewunderung.
Auch hat man die Absicht (bis
jetzt noch nicht realisiert), für
den Ständesaal von Itzehoe ein
historisches Bild malen zu lassen
für 1200 Scudi. Meine „Christenverfolgung
" hat hier viel Beifall
gefunden; nun geht's nach Frankfurt
, Brüssel, Paris, Rom. Besagten
verkleideten Jesuiten fand
ich auch in Leipzig als Bäckergesellen
mit einer Menge Briefe;
er wurde entdeckt und arretirt.
Die weitere Folge weiß ich nicht
mehr; er hatte viele Briefe von
Pater Wosham und wollte gegen

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