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DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DUSSELDORF 1911
der Werke das Interesse vom Eintritt bis zum
Ausgange wachgehalten. Was der Ausstellungsleitung
besonders hoch angerechnet werden
muß, ist die dankenswerte Objektivität, mit der
sie bei der Auswahl der Kunstwerke vorgegangen
ist. Für programmatische Kunst ist
das Rheinland im allgemeinen kein sehr günstiger
Boden. Nicht als ob er für neue Saat
unfruchtbar wäre; das entspräche nicht dem
Geiste, der durch Taten bewundernswerter
Voraussicht Handel und Industrie in Spannung
hält. Aber man ist bei aller Lebensfreudigkeit
doch kritisch, abwägend und abwartend.
Demgemäß ist die Aufgabe einer Ausstellung,
die nicht für eine kleine Gemeinde arbeiten,
sondern weite Kreise informieren soll, von selbst
auf den Standpunkt hingewiesen, den auch die
diesjährige Düsseldorfer Ausstellung vertritt,
auf den des objektiven Ueberblickes über die
derzeitigen Kunstleistungen.
Das Ausland konnte, da der Nachdruck auf
die deutsch-nationale Kunst gelegt werden sollte,
nur gestreift werden; es wurde recht glücklich
in der Aquarell-Ausstellung zusammengefaßt
, wo die verschiedenen Kulturländer ihre
Eigenart neben der deutschen zeigen.
Außer dieser künstlerisch höchst wertvollen
Sonderveranstaltung, der sich noch eine instruktive
graphische Abteilung anschließt, zeigt das
Unternehmen noch eine zweite Unter-Abteilung
, die man zur Ehrung des in diesem Jahre
verstorbenen Altmeisters der Düsseldorfer Kunst,
Andreas Achenbach, eingerichtet hat. Professor
Georg Oeder, der bekannte Düsseldorfer
Sammler und Mäcen, hat sich ihrer angenommen
; ihm ist es zu danken, daß aus
den bedeutendsten öffentlichen Galerien und
aus Privatbesitz eine große Zahl von Werken
zusammengestellt werden konnte, deren Vorführung
eine Ehrung im tiefsten Sinne des
Wortes bedeutet.
Eine, wenn auch noch so flüchtige Ueber-
THEODOR FUNCK
Große Kunstausstellung Düsseldorf 1911
INTERIEUR
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