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DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG DÜSSELDORF 1911
EUGEN KAMPF
ALTE HÜTTEN
Große Kunstausstellung Düsseldorf 1911
verschiedenen technischen Wegen nahe zu
kommen suchen.
Von den Figurenmalern, die gelegentlich
auch Porträts herstellen, treten Ludwig Keller
und Adolf Münzer mit solchen an. Außer
einem sehr gelungenen Selbstporträt bringt
letzterer das koloristisch fesselnde Bildnis einer
Dame in roter Toilette (Abb. S. 557). Walter
Petersen ist durch das repräsentativ und dabei
natürlich wirkende Porträt eines Kommerzien-
rats gut vertreten, nicht weniger gut auch durch
zartund duftiggemalte Pastellbilder (Abb. S.559).
Richard Vogts geht bei der Dame „Im blauen
Kleide der Mutter" (Abb. S. 558) bei großem
flächigen Auftrag auf den Zusammenklang stark
betonter Farbenwerte aus, ebenso wie Fritz
Reusing, von dem außer Oelbildern frische
Zeichnungen zu sehen sind. Wilhelm Schnei-
der-Didam sucht mit knappen Mitteln die Charakteristik
herauszuarbeiten und durch Vereinfachung
immer mehr zu einem persönlichen
Stil zu gelangen. Dahingegen scheint Anton
Hackenbroich noch nicht den Mut zu finden,
sich über konventionelle Darstellungsformen
hinwegzusetzen. Couragierter ist Hans Carp,
der sich mit einem keck erfaßten, auch in der
Technik ziemlich freien Herrenporträt gut einführt
.
Die sich durch weidmännische Sachkenntnis
und liebevollste Naturbeobachtung auszeichnende
Tiermalerei wird durch Christian
Kröner, Graf Alfred von Brühl und
Otto von Groote vertreten. Ihnen gegenüber
erscheint J. P. Junghanns mit seiner
Schule, in der Ernst Paul und Albert Reibmayer
eine besondere Stellung einnehmen, als
malerischer Draufgänger.
Interieurs mit und ohne Staffage liefern,
meist in delikater Verarbeitung des Lichteinfalls
, Max Volkhart, Hendrik Nordenberg,
Graf Paul von Merveldt und Karl Häver.
Das Stilleben ist gut vertreten durch Arbeiten
Vv
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