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FR. GILDEMEISTER-BREMEN
AUS EINEM LANDGUT IN LEUCHTENBERG
Markt gelangenden Neuzüchtungen und Neueinführungen
in Vergessenheit.--
Wie mit der Blume, so steht es mit den
Gehölzen. Eine ganze Sammlung buntblättriger
und eigenartig geformter Sträucher hat unsere
alten blütenreichen Formen verdrängt. Allerhand
Neuzüchtungen sind auf dem Markt gekommen
, die aber an Blütenreichtum bei weitem
nicht an unsere alten Strauchformen heranreichen
. Was kommt dem chinesischen Flieder
an Blütenpracht gleich ? — Und wohin ist
unser poesie-um wobener Hollunder gekommen ?
Es scheint unverständlich, wie man diesen
schönsten aller Decksträucher so verächtlich
auf das Land verwiesen hat. In die kleinen
Gartenhauskolonien, in die Schrebergärten hat
er sich geflüchtet. Hier blüht er in unaufhaltsamer
Fülle und sendet aus hunderten zartgelblich
angehauchten weißen Doldenblüten
wundersamen Duft in den abendlichen Frieden.
— Gönnen wir ihm wieder mehr als bisher
ein Plätzchen in unseren Vorgärten, schneiden
wir ihn weniger, so wird er uns durch überreiche
Blütenfülle danken. Holunderbüsche
heranzuziehen, dazu bedarf es keiner besonderen
Aufmerksamkeit, aber fort mit der Schere von
den vorjährigen Trieben.
Gemeinhin werden viel zu viel Sträucher für
den Vorgarten verwendet. Damit keiner den
andern erstickt, wird zu Beginn des Winters
jeder auf das kleinstmögliche Maß reduziert.
Die Folgen davon? Niemals Blüten, dafür aber
lange, ins Holz hochgeschossene Triebe.
Wenn wir uns doch erst einmal klar machen
möchten, wie herrlich ein alleinstehender, sich
selbst überlassener Strauch sich zu entwickeln
imstande ist.
Wir brauchen fürwahr oft weiter nichts, als
einige wenige, schön geformte Blütensträucher,
um dem Vorgarten das zu geben, was ihm
heute fehlt: die Behaglichkeit neben malerischer
Wirkung. Wenn dazu in der Nähe der Laube
oder an anderen Punkten einige Bäume treten,
welche den Schwerpunkt im Gesamtbilde betonen
, so haben wir eigentlich alles, was den
Raum zwischen dem Straßenzaun und der
Baulinie zum Vorgarten bildet.
Es ist vorteilhaft, bei der Einteilung und Pflanzung
eines Vorgartens an der Nordseite von
vornherein auf ständige Blumen zu verzichten.
Den Rasen sollte bei größeren Stücken Immergrün
oder Efeu ersetzen; bei kleineren Gärten
fällt er besser ganz fort. — —
Heute erobert sich der Buchsbaum in den
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