Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 24. Band.1911
Seite: 201
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ARCH. ERNST HAIGER

VILLA DE OSA: EINGANG

»X«

EIN MODERNES HERRSCHAFTSHAUS

Begleitende Worte von Alexander von Gleichen-Russwurm

assen beide Worte zusammen:
modern und Herrschaftshaus?
Sprechen wir von ersterem Begriff
in Bezug auf Architektur,
so denken wir an die mächtigen
Gebilde von Eisen, Stein und
Glas, aus denen große Hallen, Warenhäuser
und andere den Forderungen der Neuzeit entsprechende
, technischeWunderwerke entstehen,
oder Hotels, Miethäuser in gigantischen Maßen
und mit allem Komfort ausgerüstet kommen
in unseren Sinn, oder wir sehen kleine putzige
Häuser vor uns am Wald, am Wasser, auf einem
Hügel, wohl geeignet, müden Arbeitsmenschen
idyllische Ruhe zu verschaffen, aber weit entfernt
von dem, was mit dem Begriff „Herrschaftshaus
" vereinbar ist.

Wer die Pläne zu einem solchen entwarf
oder es bei einem bekannten Baumeister bestellte
, blieb gern bei überkommenen Formen
und suchte mit besonderer Strenge an den
historischen Baustilen festzuhalten. Dieses
Verfahren hatte eine entschiedene Berechtigung
, denn Weltanschauung und Lebensformen
der Menschen, die von anderen mit Herrschaft

bezeichnet werden, wurzelten in der Vergangenheit
. Da verlangte man breit angelegte mächtige
Treppenhäuser, wo zahlreiche Dienerschaft ihr
Wesen trieb und festliches Gepränge sich mühelos
entfalten konnte, Vorsäle, in denen Kunstwerke
und Seltenheiten das Auge des Beschauers
vom Glanz des Hauses überzeugten. Niemand
dachte daran, den Raum auszunutzen und
Material zu sparen, denn beides war meist in
genügender Menge vorhanden. So entstanden
Renaissancepaläste und die ihnen nachempfundenen
Wohngebäude. Barock und Rokoko in
ihren gefälligen, der Neuzeit mehr entsprechenden
Formen, boten dem Architekten Gelegenheit,
Hübsches und Wohnliches zu schaffen, in dessen
Rahmen der modern empfindende Mensch sich
mit gutem Willen einzufügen verstand. Unser
geselliges Leben kann sich wohl entwickeln in
Räumen, die aus dem 18. Jahrhundert stammen
oder ihnen entsprechend nachgebildet sind.
Man merkt keinen Widerspruch in den Zeiten
und hat sich ohne besondere Schwierigkeit damit
abgefunden, elektrisches Licht, Zentralheizung
und andere Fortschritte der Gegenwart
in das Gewand vergangener Stile einzukleiden.

Dekorative Kunst. XIV. 5. Februar 1911.

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