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GEORG WRBA MARMORBÜSTE
i künstlerische Entwurf, wie die gediegene Tech-
I nik und die gute Ausführung gewertet wurden.
iYi Im Anschluß an Vorträge in diesem Verein
Y sprachen sich Künstler und Kunsthandwerker
I über grundsätzliche Fragen, über den Ausgleich
I der gegenwärtigen Ansprüche und Rechte aus.
'X' Und so vollzog und vollzieht sich der Umschwung
im Betrieb des Dresdner Kunstge-
I werbes. Im Gegensatz zu frühergeht die gegen-
A wärtige Bewegung mehr in die Tiefe und in
Y die Breite zugleich. Sie wünscht, daß alle
1 Schöpfungen des Kunstgewerbes, auch die billi-
f gen, echt im Material und stilgerecht in der
& Form seien, nicht aber die reicheren Formen
Y und das vornehmere Material nur vortäuschen.
I Billig und gut soll das kunstgewerbliche Gerät
sein, das für die breite Masse bestimmt ist.
Oft
Für diese Wahrheit und Echtheit auch bei geringerem
Material bieten die Erzeugnisse der
alten Volkskunst wichtige Hinweise und Anhaltspunkte
. Daher die Hochachtung vor der
Volkskunst, daher ihr bedeutsames Hervortreten
in der Dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung
Dresden 1906, daher auch die Bemühungen
aller kunstfreundlichen Kreise Dresdens
, daß das um fängliche und wertvolle Museum
für sächsische Volkskunde in Dresden endlich
ein würdiges und ausreichendes Heim erhalte.
Wir müßten schließlich noch, um das Bild
des gegenwärtigen kunstgewerblichen Betriebs
in Dresden vollständig zu machen, auch
die maßgebenden kunsthandwerklichen
Firmen nennen. Es mag indessen in dieser
Hinsicht genügen, auf das künstlerisch ausgestattete
Buch zu verweisen, das soeben der
Dresdner Kunstgewerbeverein unter dem Titel
D resdner Kunstgewerbe 1911 herausgibt.
Auch der Anspruchsvolle wird kaum ein künstlerisches
Bedürfnis nennen können, das nicht
vom Dresdner Kunstgewerbe auch in künstlerisch
-vornehmerWeise befriedigt werden könnte,
von vollständigen Wohnungseinrichtungen mit
allem und jedem Zubehör an bis zum kleinsten
Schmuckgegenstand. Sollen wir einzelnes wenigstens
erwähnen, so sei daran erinnert, daß z. B.
die Dresdner Lüsterfabrikation schon seit Jahren
einen Weltruf genießt, und daß auch dieDresdner
Möbelfabrikation ihren Kundenkreis bis weit
ins Ausland hinaus zu suchen weiß. Die Kgl.
Sächsische Porzellanmanufaktur hat in den letzten
Jahren durch Aufnahme alter Arbeitsweisen
und neuer Formen einen ganz unverkennbaren
Aufschwung genommen, der ihr zu den alten
Freunden neue hinzugewinnt. Neue Techniken,
wie das Metalltreiben im kleinen und die Gesso-
arbeit haben sich aufgetan. Das moderne Eigenkleid
hat in Dresden entschiedene Vertreter
und Vertreterinnen gefunden, deren Geschmack
bei festlichen Gelegenheiten Bewunderung erregt
. Die Bildhauerkunst, der Plakatdruck,
der Metallguß, die Glas- und die Porzellanmalerei
und manche andere Zweige des Kunstgewerbes
haben in Dresden Vertreter ersten
Ranges; und daß der neue Geist auch schon
weitere Kreise gezogen hat, davon zeugt z. B.
die Keramik auf den Jahrmärkten, die heute
ein ganz anderes, weit befriedigenderes Bild
zeigt, wie etwa vor zehn Jahren, zum Teil die
unmittelbare Wirkung der Bemühungen, die
Handwerker in der Provinz durch persönliche
Einwirkung der Künstler zu fördern. So ist
die angewandte Kunst in Dresden allenthalben
in einem erfreulichen Aufschwung begriffen.
Paul Schumann
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