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F. VON STUCK
MEDAILLE
ALLOTRIA
Marginalia von J. S.
!
Auf die Gefahr hin, fast niemandem etwas
Neues damit zu sagen, sei an die Spitze
dieser Randglossen zu heiteren Schöpfungen
liebenswürdiger Laune die gut beglaubigte Erzählung
gestellt, durch die sich erklärt, wieso
das altattische Wort „Allotria" zum klingenden
Namen einer blühenden Künstlergesellschaft
geworden ist. Es war im Jahre 1873
und man beschäftigte sich mit der würdigen
Vertretung Münchens auf der Wiener Weltausstellung
. Die „Jungen" von damals, Gedon
und sein Kreis, traten mit ihren Gedanken
über die einzig richtige Art, Kunstwerke auszustellen
, hervor. Aber die Alten wollten nichts
davon wissen und ihr angesehenster Wortführer
tat die Vorschläge ab mit dem Ausruf:
„Das heiße ich Allotria treiben." Die Jungen
aber gingen hin und gründeten — die Allotria.
Wenn auch nicht in Wien 1873, so doch in
München 1876 führten sie ihre Ideen zum Siege.
Das Schützenfest 1881, die Bismarckfeier 1885,
das Centenarium König Ludwigs I. (1888), zahlreiche
Künstlerfeste und bleibende Werke wie
Anlage und Inneneinrichtung des neuen Bayerischen
Nationalmuseums, das waren alles Erfolge
der zuerst schroff abgelehnten Neuerungen
, deren Nachwirkung sich auch heutzutage,
freilich vielfach verändert und anderen Ver-
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Die Kunst für Alle XXVII. 2. 15. Oktober 1911
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