Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 76
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0102
) BERLINER KUNSTAUSSTELLUNGEN — PERSONAL-NACHRICHTEN

bürg seinen Kunsthallen - Direktor gerade so
hat haben wollen, wie er ist. Und eine große
Gemeinschaft zum Glauben an sich zu zwingen,
ist unter allen Umständen ein Erfolg — und
ein um so größerer, wenn dieser Glaube, wie
hier, auf einer kulturell so überaus wertvollen
Unterlage beruht.

BERLINER KUNSTAUSSTELLUNGEN

Nach der sommerlichen Stille treten die ersten
Veranstaltungen der neuen Saison auf den Plan.
Bei Gurlitt ist noch die Sommerausstellung verblieben
, auch Cassirer hat nur aus seinen Beständen
eine kleine, aber sehr anregende Veranstaltung
arrangiert. Da sind außerordentlich schöne
Gouachen von Leistikow, Schweizer Täler und
märkische Flußlandschaften, lustige, farbenbunte
japanische Motive, die Walser von seiner Ostasienreise
mitgebracht hat, ein wuchtig gezeichneter
und kraftvoll gemalter Reiter von Corinth, Stilleben
von Breyer und ein frisches Strandbild von Kardorff
. Den stärksten Eindruck hinterläßt wohl
ein Bild Slevogts, ein Blick auf den Main und
die große Mainbrücke Frankfurts, in der Ferne der
Dom. Graue, neblige Stimmung liegt über dem
Ganzen, nur die knorrigen, kurzästigen Weiden dei
Uferstraße, heben sich schwer von dem zerfließenden
Grau ab und bilden in prachtvoll lebendiger Zeichnung
den natürlichen Rahmen. Auf einer kurzen
Reise nach Frankfurt, unter dem frischen Eindruck,
ist dieses Bild an einem Frühlingsmorgen dieses
Jahres entstanden; in einer kleinen Lithographie
hat Slevogt das gleiche Motiv noch einmal reizvoll
variiert. Eine Anzahl Franzosen schließen sich
den Deutschen an, ein schöner Pissarro, der Louvre
in silbrigem Dunst verschwimmend, der Jardin
des Tuileries, ein prachtvolles, farbensattes Frauenporträt
Renoirs (Madame Maitre) in dem der gelbliche
Teint des Gesichtes in wunderbarer Harmonie mit
dem schwarz weißen Muster des Kleides zusammengeht
, Landschaften von Sisley und manches andere
mehr. Ganz versteckt findet sich von Beckmann,
den man sonst nur als Porträtisten und Figurenmaler
kennt, ein ausgezeichnetes Bild, Segelboote
am Strand. Groß und klar in der Zeichnung, ruhig
und edel in der einfachen, rotbraunen Farbe der
gerefften Segel in der feinen, auf grau gestimmten
Atmosphäre. — Der ersten Unternehmung Schultes
kann man leider nicht viel Lobenswertes nachsagen,
der Mittelmäßigkeit und dem was darunter ist, wird
wieder ein allzu breiter Raum gewährt. Allenfalls
kann man in Raoul Franks Eisenbahnbild gewissen
coloristischen Geschmack erkennen, aber schon in
dem Bild eines österreichischen Kriegsschiffes geht
es damit bergab. Ganz schwach und charakterlos wirken
die Porträts, Landschaften und Rokokoszenen
Walther Geffckens, der sich bald wie Skarbina,
bald wie Thor gebärdet, aber einen einheitlichen Eindruck
nicht hinterläßt. Richard Kaisers Landschaften
, meist Motive vom Chiemsee, zeigen immerhin
einige Kraft und Frische—aber was soll man
zu derartigen Dingen wie den Arbeiten Müller-
Kurzwellys oder Heinrich Rettigs sagen? —
Nicht uninteressant ist ein früher Zügel von 1880,
der noch so gut wie nichts von der späteren Entwicklung
des Malers verrät, auch die Skarbina'sehen

Oelskizzen zu dem großen Bild „Kundgebung auf
dem Schloßplatz vor dem Kaiser in der Nacht vom
6. Februar 1907", die auch auf der Skarbina-Ausstel-
lung in der Akademie der Künste die wohl beste Leistung
des Künstlers darstellten, fesseln aufs neue.

In der alten Schinkelschen Bauakademie ist man
zurzeit fleißig bei der Arbeit, die Räume für einen
Annex der Nationalgalerie herzurichten. Mit ihrer
Vollendung wird die von Direktor Justi eingeleitete
Reformarbeit um ein gutes Stück gefördert werden.
Gilt es doch, die total überfüllte Nationalgalerie zu
entlasten und vor allem, die gegenständlich mehr
wie künstlerisch bedeutenden Bilder an anderen
Orten unterzubringen. Mit den Schlachten- und
Feldherrenbildern, die zum Teil ins Zeughaus überführt
wurden, ist das bereits in dankenswerter Weise
geschehen, nun sollen die Porträts an die Reihe
kommen, womit dann auch der schon lange gehegte
Wunsch nach der Gründung einer Nationalen Bildnissammlung
einen Schritt weiter gefördert werden
wird. — Im Kgl. Kupferstichkabinett ist soeben eine
Ausstellung eröffnet worden, die ausschließlich
Bildnisse von neueren Meistern, Radierungen, Holzschnitte
und Steindrucke, aber nur Originalarbeiten
enthält. Sie wird durch eine gewählte Kollektion
Stauffer-Berns eingeleitet, daran schließen sich
Porträts von Ernst Moritz Geyger, Klinger,
Greiner, Peter Halm, Albert Krüger, Käthe
Kollwitz, Hans Olde, Ferdinand Schmutzer,
EmilOrlik, Liebermann,Trübner, Slevogtusw.
Von diesen sind erst in letzter Zeit erworben, ein
mit schlagender Eleganz gezeichnetes Porträt des
Sängers Francesco d'Andrade von Slevogt und
ein Selbstporträt des Künstlers (Radierung). Zu den
neueren Arbeiten Liebermanns zählt ein Selbstbildnis
, das den Künstler als Zeichner bei der Arbeit
darstellt, sowie ein lithographisches Porträt des
Generaldirektors der Berliner Museen, Exzellenz
Bode. Den Beschluß der Ausstellung bildet eine
Kollektion ORLiK'scher Arbeiten, darunter die erst
vor kurzem in den Besitz der Sammlung gelangten
Bildnisse von Hermann Bahr und Gerhart Hauptmann
. Zu Vergleichszwecken sind in einer Vitrine
noch einige der künstlerischen Photographien von
Rudolf Dührkoop in Hamburg ausgelegt. — Im
kleinen Ausstellungssaal findet gleichzeitig eine
menzel-Ausstellung statt, die einen ausgezeichneten
Ueberblick über die Tätigkeit Menzels auf dem Gebiet
von Kupferstich, Holzschnitt und Steindruck
gibt. Die einzigartige Qualität der Menzelsammlung
des Berliner-Kupferstich-Kabinetts erlaubt die Vorführung
seltenster und schönster Drucke, die zum
Teil noch durch eigenhändige Notizen und Bemerkungen
des Künstlers ein ganz besonderes Interesse
gewinnen und geradezu als Unika betrachtet
werden können. j.sievers

PERSONAL-NACHRICHTEN

DERLIN. Die Berliner Secession hat Ferdinand
Hodler, der auf der jetzigen Ausstellung durch
eine Reihe seiner älteren und neueren Arbeiten vertreten
ist, zum Ehrenmitglied ernannt.

MÜNCHEN. Der Bildhauer Professor Hubert
1Y1 netzer, der Schöpfer des Münchener Nornen-
brunnens, des Narzißbrunnens im Münchener Nationalmuseum
und des Jonasbrunnens am Josephsplatz
, hat einen Ruf nach Düsseldorf an die Akademie
der Künste bekommen und ist bereits nach dort
übergesiedelt.

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