Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 77
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Oesterreichische Ausstellung, Rom 1911

AUSSTELLUNGSGEBÄUDE VON JOSEF HOFFMANN

ÖSTERREICH AUF DER INTERNATIONALEN
KUNSTAUSSTELLUNG IN ROM 1911

Von Kurt rathe-Wien

Der leicht erregte Zorn eines großen Künstlers
kehrte sich einmal gegen die „großen Kunstmärkte
" — jene Kunstausstellungen, in denen
seine lang verkannten Werke stets die schlechtesten
Plätze in unwürdiger Umgebung hielten:
„Jedermann hält sich die Ohren zu, wenn zehn
Drehorgeln zusammenspielen, jede ihr eigenes
Stück." Heute wissen selbst jene Ausstellungen
, die ausschließlich oder in erster Linie
wirtschaftlichen Zwecken dienen, bis zu einem
gewissen Grade das marktschreierische Gebaren
zu vermeiden, dessen kunstfeindliches
Wesen Anselm Feuerbachs Gleichnis treffen
will. Die neuen raumkünstlerischen Bestrebungen
haben auch hier gründlich Wandel geschaffen
. Vor ihrem belebenden Hauch ist
selbst aus den Museen, den ehemaligen „Totenkammern
der Kunst", jeder Modergeruch geschwunden
. Hier wie dort betrachten es die
Hüter und Vermittler künstlerischer Werte als
eine ihrer vornehmsten Pflichten, diesen einen
würdigen Rahmen zu schaffen. In dem österreichischem
Pavillon der römischen Kunstausstellung
hat die schwere Aufgabe eine geradezu
vorbildliche Lösung gefunden.

Frei und unbehindert entfaltet sich in dem
edlen Baue Josef Hoffmanns (Abb. S. 77)
das lebendige Spiel der im heutigen Oesterreich
wirkenden künstlerischen Kräfte. Die
prunklose Architektur, die sich schon dem
ersten Blick stolz und unverhüllt als reiner
Zweckbau darstellt, ist dennoch von stärkster
künstlerischer Eigenwirkung. Ueber dem klarsten
Grundriß erhebt sich der wunderbar einfach
gegliederte Aufbau, der auf drei Seiten einen
freundlichen Gartenhof einrahmt. Der bewußte

Die Kunst für Alle XXVII. 4. 15. November 1911

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