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j ÖSTERREICH AUF DER INTERNATIONALEN KUNSTAUSSTELLUNG IN ROM 1911 |
\ der Stätte, an der sich sein Werk erheben sollte, |
) (. dem römischen Boden selbst: Hoffmanns Künst- (
lerauge mag das Peristyl eines pompejanisch- '
römischen Landhauses als Erinnerungsbild bewahrt
haben. So hat er einen Bau geschaffen,
dessen Ernst ohne puritanische Strenge, dessen ,
festliche Heiterkeit von allem Spielerischen |
frei ist. Die aller nur angeklebten Ornamente |
baren Flächen und Pfeiler erscheinen durch i
rhythmische Vertikalstreifen als einziges, mit i
maßvoller Konsequenz durchgeführtesSchmuck- 1
motiv organisch gegliedert und anmutig belebt. 1
Fensterrahmen und Architrav zeigen edelste
Profile.
Dieselbe vornehme Zurückhaltung, derselbe
künstlerische Takt waltet im Inneren des Baues.
Jeder Raum ist in glücklichster Weise individualisiert
und mit erlesenem Geschmack den
Kunstwerken angepaßt, zu deren Aufnahme er
bestimmt ist. In schmiegsamer Hingabe dient
der raumgestaltende Wille des Künstlers der
zweck- und zielbewußten Absicht des Organisators
. Jeder Raum ist einem fein abgestimmten
Resonanzboden vergleichbar, in dem die
Oesterreichische Aus-
stellang, Rom 1911
v& GARTENHOF MIT DEM
HL. MICHAEL VON F. ANDRI
Verzicht auf eine zwecklose Prunkfassade gewährt
dem Besucher schon von ferne den freien
Einblick in diesen Gartenhof, in dem edle Werke
der Bildhauerkunst ihre natürliche Stätte gefunden
zu haben scheinen, die sie keiner Wirkungsmöglichkeit
beraubt. Freundlich-ernst,
doch mit erhobenem Schwert, grüßt hoch oben
von der Rückwand Andris heiliger Michael
(Abb. S. 78 u. 89) den Eintretenden, als wollte er
unter den Kunstwerken wie ihren Betrachtern
die Spreu vom Weizen sondern. Vorn in der
Mitte, festlichen Fanfarenstößen vergleichbar,
zwei frei und hoch ragende Pylonen, die den
Doppeladler tragen; zwischen ihnen Hanaks
massige Gruppe „Oesterreich" (Abb. S. 79),
ein gewaltiges „Symbol der schöpferischen
Kraft" des Landes, die hier zum ersten Mal
auf fremdem Boden in solcher Gestaltungsfülle
sich offenbart. Die Längsarme des Rahmenbaues
werden ihrer Tiefenrichtung nach von
Pfeilerarkaden begleitet. Es war kaum nur
ein glücklicher Zufall, der dem Architekten
diesen Baugedanken von antiker Einfachheit
eingab. Vielleicht verdankte ihn der Künstler
VORHALLE
Oesterreichische Ausstellung
, Rom 1911
78
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