Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 100
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! PERSONALNACHRICHTEN — NEUE KUNSTLITERATUR

PROFESSOR AUGUST HOLMBERG
Direktorder Neuen Pinakothek in München
f 7. Oktober 1911

Schule trat (Porträt
der Mutter),
die vorläufige
höchste Stufe
modernen Akademismus
um
1905 (Porträt des
Dichters Scharf),
endlichdasunter
dem Einfluß französischer
Vorbilder
erfolgte Auflockern
des kompakten
Strichs,
das farbige Sehen
, die bunten
Konturen. Ein
vollendetesWerk
dieses neuen,
starken Weisgerber
ist der „Heilige
Sebastian", der der Kunsthalle in Bremen gehört,
und dem ich vor der in der Münchner Secession
gezeigten Version des gleichen Gegenstands unbedenklich
den Vorzug gebe. Jedenfalls ist die Ausstellung
dieser etwa vierzig Weisgerberschen Werke
höchster Beachtung wert: sie lehrt erkennen, daß
Weisgerber, wenn auch nicht immer sympathisch,
einer der temperamentvollsten und im Kern auch
selbständigsten Koloristen Münchens ist. g.j. w.

PERSONAL-NACHRICHTEN

JV/I ÜNCHEN. Am 7. Oktober ist in München Pro-
fessor August Holmberg, Maler und Galeriedirektor
, im 61. Lebensjahre gestorben. Holmberg,
Münchnervon Geburt und nach künstlerischem Werdegang
, war eine der sympathischsten Erscheinungen
der konservativen Künstlerschaft. Wilhelm von
Diez, der vielgepriesene Lehrer der Münchner
Akademie, hat auch ihm den Weg in die Geheimnisse
der Malerei erschlossen. Holmberg begann
recht vielseitig: er malte saftige Interieurs von
flämischer Üppigkeit und von jener schönen, fetten
Koloristik, die wir an de Heem und Vermeer lieben,
Interieurs, warm im Ton, wie das bei den Altmünchnern
beliebt gewesen, die ausgezeichnete
Vedute „Füssen", die bei der Deutschen Jahrhundert-
ausstellungberechtigtes Aufsehen erregte, und vielerlei
Figurenbilder. Allmählich rückten diese in den
Vordergrund seines Schaffens und beherrschten sein
Werk; feinmalerisch setzte er zierliche Figürchen hin,
Konversationen alter Rokokoherren, geistliche Mon-
signori in ihren beneidenswert üppigen Bibliotheken,
Schachspieler und sinnende junge Damen am
Fenster und was dergleichen etwas genrehafter,
aber peinlich malerisch, nicht anekdotenhaft gestalteter
Motive mehr sind. Auch Porträte malte
er gelegentlich, darunter das des Prinzregenten, das
in der Neuen Pinakothek zu München hängt...
Seit Jahren ist Holmberg erster Konservator des
bayerischen Gemäldeschatzes und Direktor jenes
Teils der Neuen Pinakothek, der die im Besitz des
K. Hofes befindlichen Gemälde umschließt. Die
Münchner Akademie der bildenden Künste hat
Holmberg durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft
geehrt. G. j. w.
JV/T ÜNCHEN. Als Nachfolger des verstorbenen
iV1 Professors Berthold Riehl wird nun doch Geheimrat
Professor Dr. Heinrich Wölfflin in
Berlin, der den ersten Ruf abgelehnt hatte, die
Lehrstelle für Kunstgeschichte an der Münchner
Universität übernehmen, und zwar beginnt Professor
Wölfflin seine Vorlesungen in München mit dem
nächsten Sommersemester.

f^ESTORBEN. In Stuttgart der Maler Hans
Brühlmann. Geboren 1878 zu Amriswil im
Thurgau, erhielt er seine erste Ausbildung in Zürich
und wurde später Schüler von Kalckreuth und Holzel.
Er hat u. a. bei der Ausschmückung der Pfullinger
Hallen mitgewirkt. Unter seinen Blumenstücken,
bei denen der Einfluß von Cezanne stark hervortritt
, sind einzelne schöne Arbeiten zu verzeichnen.

h. t.

NEUE KUNSTLITERATUR

Lichtwark, Alfred. Die Seele und das
Kunstwerk. Böcklinstudien. Vierte Auflage. M2.50.
Berlin 1911. Bruno Cassirer.

Die große Verbreitung, die dieses Werkchen
Lichtwarks gefunden hat, zeichnet auch das deutsche
Publikum aus. Denn die Freude an solchen Schriften
ist nicht denkbar ohne entwickelten Sinn für Form
und Gehalt. Nichts Sensationelles, nichts Geist-
reichelndes, Dithyrambisches ist in Lichtwarks Werk.
Mit wundervoller Ruhe, Klarheit, Kürze und Mäßigung
trägt gerade der seine künstlerischen Erlebnisse
und Anschauungen vor, der so klug und entschieden
als Schriftsteller undMuseumsleiter für neue,
noch umfeindete Künstler immer eintrat. Möchte der
Leserkreis dieser Schrift sich immer weiter ausdehnen
. Das wäre ein Gewinn auch für die besten
Künstler, die nach Böcklin wieder um unsere Anerkennung
ringen. Bredt

Creutz, Max. Die Anfänge des monumentalen
Stiles in Norddeutschland. M6.—.
Köln 1910. Du Mont-Schaubergsche Buchhandlung.

Creutz eröffnet seine verdienstvolle, wissenschaftlich
wertvolles Material verarbeitende Abhandlung
mit dem lapidaren Satz, die rein-malerische
christlich-orientalische Kunstanschauung des frühen
Mittelalters habe die spätantike Plastik zersetzt. Den
Beweis geben ihm die ehernen Türflügel und die
Bronzesäule aus der Zeit Bernwards im Dom zu
Hildesheim: der Monumentalität des Materials entsprechen
die dargestellten Szenen nicht — sie sind
bildartig wie die Seiten eines Kodex aneinandergereiht
, für den Blick aus unmittelbarer Nähe, gleichsam
für sich gearbeitet. Erst mit Rogkerus von
Helmershausen, der aus der Tradition der rheinischen
Goldschmiedewerkstätten herauswuchs, dämmert
für Norddeutschland der monumentale Stil herauf
. Rogkerus von Helmershausen steht im Mittelpunkt
dieser Schrift als der, auf den die Anfänge
dieses monumentalen Stils zurückgehen. Wie das
ja der Forscher gerne tut: das Werden einer Sache,
sei es eines Stils, sei es eines Einzeldenkmals, ist
ihm zumeist wichtiger als das Gewordene . . .
Trotzdem werden natürlich von Creutz, dem Titel
seiner Schrift entsprechend, auch die frühen Monumentalplastiken
Norddeutschlands in den ausklingenden
Kapiteln behandelt und, daran als besonderes
Kapitel an- und die Ausführungen abschließend, die
romanische Plastik in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
, die ihren Charakter gegenüber den kraftvolleren
Monumentalwerken der Frühzeit schon wieder
verändert hatte. — Instruktive Illustrationstafeln
begleiten den interessanten Text. G.j.w.

Redaktionsschluß: 10. Oktober 1911 Ausgabe: 26. Oktober 1911

Herausgeber: F. Schwartz. Für die Redaktion verantwortlich: P. Kirchgraber. — Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G.

Sämtlich in München, Nymphenburgerstraße 86


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