Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 102
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FERDINAND HODLER

I

FERDINAND HODLER

DISPUTATION

sionismus jene Künstler, die durch ihn hindurch
und über ihn hinaus wieder zu einem
Stil strebten, indem sie sich mit seinen Resultaten
nicht bescheiden wollten, sie vielmehr
nur als Elemente für eine neue, und wie es
ihnen schien, höhere Art bildmäßiger Gestaltung
gelten ließen. Diese Fortentwicklung
knüpft sich in Frankreich an Cezanne, Gauguin
und an den teuren Namen Vincent van
Goghs. In Hodler dagegen herrscht mit der
ausschließenden Einseitigkeit der genialen Begabung
von Anfang an die Linie, so daß er
vermöge seiner Organisation die letzten Möglichkeiten
des Impressionismus kaum verspürt
und gar nicht die Nötigung erfährt, zu ihnen
als Problemen Stellung zu nehmen. Fast könnte
man sagen, er hätte sein Werk am Impressionismus
vorbeigeschaffen, hätte nicht dieser,
in einer Art Fernwirkung, nach der frühen
Epoche schwererer Farben auch seine Bilder
aufgehellt.

Ferner: es bleibt Hodlers unauslöschlicher
Ruhmestitel, die elementare Kraft seiner Linie

in den Dienst einer neuen Monumental-Male-
rei gestellt zu haben. Durch das neunzehnte
Jahrhundert geht von Zeit zu Zeit die Sehnsucht
, die Malerei wieder einzuordnen in den
Zusammenhang der Künste, sie insbesondere
zurückzuführen in den mütterlichen Schoß der
Architektur: lieber will man auf die trügerische
Schönheit des von den vier Rahmenleisten wie
von Treibhauswänden abgeschlossenen Tafelbildes
verzichten, weil man von der Wandmalerei
nicht allein eine Stärkung der Kunst,
sondern auch einen neuen Lebensinhalt erhofft
. Nun ist bis auf Hodler die Geschichte
dieser Versuche eine Kette von Enttäuschungen.
Es sei nicht erst die Rede von der niedrigsten
und häufigsten Form, die das Ziel der
Wandmalerei erreicht glaubte durch vergrößerte
Dimensionen eines Tafelbildes. Aber mangelndes
Können oder tragisches Mißgeschick zersplitterte
und zerbrach selbst das edle Wollen
der Besten. Man denke an Cornelius, denke
an Rethel ( . . . soll jedoch nicht an Marees
denken, weil der aus ungleich reicheren Ele-

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