Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 114
(PDF, 174 MB)
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I

JUBILÄUMSAUSSTELLUNGEN IM WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM ZU KÖLN

der Fall für das in Sachen des Geschmackes nicht
sattelfeste Publikum, das man doch heutzutage mit
aller Kraft zu heben und mit künstlerisch einwandfreien
Objekten zu umgeben sucht. Es scheint mir
also die Berechtigung der juryfreien Kunstschau
auch in diesem Falle noch nicht erbracht zu sein,
so sehr man einzelnen der Beteiligten eine ungehinderte
Entwicklung für die Zukunft wünschen
möchte.

Im Ausstellungssaal der Bibliothek des Kgl.
Kunstgewerbe-Museums ist der Maler und Graphiker
Willi Geiger, der vor kurzem nach Berlin übergesiedelt
ist, mit einer stattlichen Anzahl von vorwiegend
graphischen Arbeiten vertreten. Geiger,
der meiner Ansicht nach auf dem Gebiet der neueren
graphischen Produktion zu den begabtesten und
originellsten jungen deutschen Künstlern gehört,
zeigt zunächst eine Reihe seiner älteren Arbeiten,
größtenteils Exlibris. Sie werden in ihrem krausen,
oft merkwürdig verzerrten Stil und der wilden
Phantastik, die in ihnen lebt, manchem die richtige
Einschätzung der Persönlichkeit, die sie geschaffen,
erschweren. Viel freier, schlagend beobachtet und
geistreich gesehen wirken die spanischen Blätter,
so die Stierkampfszenen (unter denen man noch
manche gute Arbeit vermißt) und mehrere originelle
Kompositionen, wie die „Fliehenden Menschen"
oder „Der Skandal" aus seinem „Opus IV". Einige
wirkungsvolle Studien (bunte Kreide auf dunklem
Karton), Toreros in der Arena, die schon auf der
vorjährigen Großen Kunstausstellung erfreulich auffielen
, ergänzen die Vorstellung von Geigers zeichnerischem
Können in willkommener Weise.

j. Sievers

JUBILÄUMSAUSSTELLUNGEN IM
WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM ZU KÖLN

A us Anlaß seines 50jährigen Bestehens hat das
Wallraf-Richartz-Museum einige besondere Veranstaltungen
der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht
, von denen unstreitig die LEiBL-Sammlung
des Hofrats Seeger (Berlin) das meiste Interesse
für sich in Anspruch nimmt. Diese Kollektion,
bestehend aus etwa 25 Gemälden und einer Reihe
von ausgeführten Zeichnungen, Federskizzen, Entwürfen
in Kohle usw., repräsentiert das Schaffen
Leibis von 1866 ab bis zum Ende der 90er Jahre.
Der beschränkte Raum verbietet uns, die Bedeutung
und die einzigartigenWerte derMeisterschöpfungen zu
preisen, die gerade in dieser Zeitschrift von alters

I

ferdinand hodler

landschaft am thunersee

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