Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 117
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AUGUST BROMSE

SELBSTBILDNIS (RADIERUNG)

AUGUST BRÖMSE

von Wilhelm Michel

I

Als Schüler Max Klingers — das Wort ist natürlich
nicht buchstäblich zu nehmen — betrat
der Deutschböhme August Brömse Vorjahren
die Arena der Oeffentlichkeit. Ein Blatt „Im
Park" ließ jeden Kenner aufmerksam werden:
Da war einer, der Klingers heroisch-idealistische
Ausdrucksweise von innen her verstanden
hatte. Man spürte einen Hauch von des sächsischen
Meisters athletischer Weltanschauung,
man vernahm das Wort eines Künstlers, der
in gebändigter und gesteigerter Sprache von
den dunklen Dingen der Welt redete. Die
symbolische Bedeutung des Blattes ist einfach
und faßlich : aus sommerlicher Üppigkeit
das Lied des Todes. Aber es ist in diesem
Blatte auch die Süße der Geigentöne festgehalten
, die Zauberei der Mondnacht, die bis
zur Schwermut satte Fülle pflanzlichen Lebens
. Es ist zur Vision gesteigert, es liegt
ein Tönen darüber wie von uralten Saiteninstrumenten
. Die Arbeit ist technisch vorzüglich
. Die schwelgerische Zartheit des bläulichen
Lichtes, das die Figur des Mädchens,

halb Statue, halb Gespenst, umfließtest meisterhaft
bezwungen.

Kein Wunder, daß der Künstler auf diesem
Wege zunächst weiterging. Es entstand ein
ganzer Zyklus vom Tode, der alle Lyrik des
Todesgedankens enthält.

Dem Blatte „Im Park" schließen sich dem
Gehalte nach die Blätter „Sommernacht" und
„Ein altes Lied" am innigsten an. Das „alte
Lied" kann man betrachten als einen Versuch,
die tiefe Schwermut, die in alten Volksgesängen
liegt, darzustellen. Die Situation ist
so sprechend als möglich! Auf den Stufen
der Haustreppe steht in der Sommernacht der
Tod und schickt die Töne seiner Geige in
den dunklen Flur hinein. Und in der Finsternis
des Flurs fühlt man deutlicher, als es der
physiognomische Ausdruck darstellen könnte,
die Betroffenheit der Lauschenden, das bange
Schlagen ihrer Herzen, die Angst ihrer weitgeöffneten
Augen. Etwas lockt hinaus in die
Mondnacht, etwas das süß und grauenvoll
zugleich ist. Ja, vielleicht ist nur dies der Gegen-

Die Kunst für Alle XXVII.

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