Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 144
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BERLINER AUSSTELLUNGEN

dann hat er da andere Arbeiten, für die ich keine
zwei Sous gäbe — elender Dreck!

Dante Gabriel Rossetti

Wenn ich morgens das Unglück gehabt habe, ein

Bild von Ingres zu sehen, so kann ich den ganzen

Tag nicht mehr arbeiten. uiaz

*

Wenn man Ingres ärgern will, braucht man ihm
nur einen Rubens oder einen Rembrandt zu zeigen.
Soeben habe ich ein von Ingres gemaltes Bild gesehen.
Das Fleisch ist, wie immer bei ihm, von einem Tone,
der sich so weit wie möglich von der Natur entfernt.
Wesen von solcher Farbe könnten nicht leben. Dahingegen
sind Farbe und Einzelheiten der Kleidung von
einer Wahrheit, die der großen Vlamen würdig wäre.

David v. Angers

Das Grundübel bei Ingres ist der vollständige
Mangel von Herz, von Seele, von Denken, kurz von
allem, was die mortalia corda angeht, dieser Kapitalfehler
, der zur eiteln Befriedigung der müßigen Neugier
und zur Schaffung von chinesischen Werken führt.
Das tut denn auch Ingres, nur ohne die Naivität der
chinesischen Künstler, die ihm noch mehr fehlt als

alles andere. Deiacroix

*

Man soll uns beide, Ingres und mich, nur einmal
in einen Turm einsperren, wo es keine Bilder gibt!

j. a. d. ingres VSS bildnis der gattin des künstlers

Dieser Kerl wird da bleiben mit seiner unberührten
Leinwand, denn er ist nicht imstande, etwas aus sich
selbst herauszuholen. Ich aber werde mit einem Gemälde
herauskommen. Diaz

*

Ingres, Raffael und Phidias sind die einzigen, mit
denen ich mich über die Malkunst unterhalte.

Flandrin

*

Ingres ist weiter nichts als ein in den Ruinen von
Athen verirrter Chinese. Preauit

Persönliche Schöpfungskraft scheint ihm (Ingres)
gänzlich versagt. Für mich repräsentiert er weiter
nichts als die verloren gegangene große Kunst in sehr
abgeschwächtem Maße. Brauche ich Ihnen zu sagen,
daß ich Deiacroix mit seinen Uebertreibungen, seinen
Fehlern und Mängeln vorziehe, weil er weiter nichts
als sich selbst repräsentiert, weil er den Geist, die
Zeit, das Wort seiner Epoche vertritt. Rousseau

Ingres, der nie imstande gewesen ist, ein Thema so
zu komponieren, wie es in der Naturgeboten wird, meint,
er wäre Raffael ähnlich, weil er ihm gewisse eigentümliche
Bewegungen und Haltungen nachäfft. Deiacroix

Ingres war steril, seine Bilder sind lauter Reminiszenzen
. Aber vor der Natur hat er wunderbare Zeichnungen
gemacht. Seine Studien, der
nackte Frauenrücken im Louvre, das ist
schön, das ist wunderbar. Meissonier

BERLINER AUSSTELLUNGEN

Tn der Novemberausstellung bei Gur-
* litt sind eine Reihe AngeloJank-
scher Arbeiten vereinigt, die, wie gewöhnlich
, durch ihre Frische und dekorative
Wirkung ansprechen. Bei näherem
Eingehen machen sich die Mängel
bemerkbar, die vor allem in einer gewissen
Oberflächlichkeit bei der Darstellung
der Bewegung liegen, es fehlt
eben das Ueberzeugende, das die Umwertung
des physischen Eindrucks in die
Bildillusion hervorbringt. Ein Blick auf
ein „Pferderennen" von Jank und auf
ein Bild oder eine Lithographie von
Degas, Manet oder Liebermann, die das
gleiche Thema behandelt, macht diesen
Grundfehler zur Genüge klar. Unter
dem Vorhandenen erfreut ein flottes
Selbstporträt des Künstlers, sowie,schon
um des Gegenstandes willen, das Bild,
das die Beerdigung Fritz von Uhdes
behandelt.

Von Walter Püttner sieht man
eine kleine Kollektion, ebenso von
Julius Hess in München. Ein entwicklungsgeschichtliches
Interesse beanspruchen
verschiedene hübsche Landschaften
des Frankfurters Carl Morgenstern
, der, einer alten Frankfurter
Malerfamilie entstammend, im Jahre
1893 als Zweiundachtzigjähriger starb.
Verschiedene wenig glückliche Landschaften
von Thoma, ein sprühend lebendiger
Pissarro (Pariser Brücke)und

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