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MAGDEBURGER KUNSTSCHAU 1911
kultivierten Malerei merkwürdig reif
anmutende Matthias May verdient
wegen seiner beiden Figurenbilder genannt
zu werden; Stuck weniger wegen
der vornehmtuenden Damenporträts
, als wegen eines „tanzenden Mädchenpaares
." — Nach Düsseldorf führt
uns der alie, hier natürlich mit einem
neueren, übrigens nicht nur zeichnerisch
interessanten Werke vertretene
Gebhardt; die Gruppe der jüngeren
Düsseldorfer Maler ist, namentlich, soweit
sie dem „Sonderbund" nahesteht,
sehr gut durch Bilder von Bretz, Cla-
renbach und Schmurr zum Aus-
druck gebracht; sonst noch von M.
Stern (helle Freilu'tbilder) und von
dem überall im Rheinland beliebten
Gerhard Janssen (holländernde, versoffene
Kneipszenen).
Bemerkenswerter als diese Sympathie
mit Düsseldorfer Kunst ist die
erfreuliche Tatsache, daß einige Liebhaber
moderner Schwei/er Kunst sich
gefunden haben : außer den „Tanzmusi-
kanten"von Buri (schon seit längerem
in hiesigem Besitz) und außer einer
Landschaft von Burgmaier gehören
nun hiesigen Kunstfreunden seit der
HoDLER-Ausstellung, die der Kunstverein
im letzten Sommer veranstaltet
hatte, zwei so charakteristische und
ausgeglichene Werke wie das „Erwachende
Weib", von wunderbarem inneren
Pathos und vollendet geschlossener
Kontur; ferner die „Landschaft mit
Tannenwaldung", gewiß stark und stilvoll
, aber gleichzeitig lieblich und in-
nerst empfunden.
Freuen wir uns,daß auch sonstnoch
das Ausland mit guten Künstlern vertreten
ist: Holland mit Toorop,Schweden
mit Zorn (Gemälde „In der Kü-
ferei") und die ältere Generation der
Franzosen mit einem Pastell von STEiN-
len, namentlich aber mit den „Tänzerinnen" von De-
gas, die kaum noch Materie sind, eigentlich nur mehr
erdgelöste, nervös-prickelnde Farbigkeit. — Und nun,
einmal in Paris, ist's auch nicht mehr weit bis zu
den dringlichen Werbungen um den neuen, den neuesten
Stil, heiß umstritten und siegerisch behauptet von
einer ganzen Anzahl jungfranzösischer, jungrussischer
, jungdeutscher Künstler, die am geschlossensten
im Düsseldorfer „Sonderbund" zur Erscheinung kommen
,und die hier bei den modernen Kunsterwerbern
einen so starken Niederschlag gefunden haben: alle
diese Bemühungen um den koloristischen Rhythmus
oder linearen Kolorismus der Amiet, Campendonk
, Challie, Derain, De Fiori, Friesz, Gabo-
riaud, Gueuin, Herbin, Joveneau, Kandinsky,
Lebasque, Manguin, Marc, paula Modersohn,
Serusier, Utrillo, Vlaminck u. a.
Außer den Gemälden ist eine Reihe graphischer
Arbeiten (Handzeichnungen) in Kölner Privatbesitz:
wertvolle Blätter namentlich von Gulbransson,
Kley, Mayrshofer, Wilke^, sowie von Toorop,
Pascin und Rodin. Letzterer leitet dann über zu
den wenigen plastischen Arbeiten, deren Schöpfer
freilich auch wieder klangvolle Namen tragen:
Rodin „Danaide" (Marmor), Minne „Zwei Knaben
j. A. D. INGRES
PAGANINI (ZEICHNUNG)
auf einem Floß" (Bronze), Kolbe „Terrakottastatuette
", Maillol „Stehendes Mädchen" (Bronze),
Elkan (Porträtbüste und Plaketten), Klinger
„Steinbachbüste" (Bronze), Duchamp-villon „Kauerndes
Weib" (Bronze) u. a.
Die erfrischende Wirkung dieser modernen Bestände
des privaten Kölner Kunstbesitzes äußert
sich in der regen Anteilnahme des Publikums, und
mancher bisher noch Zögernde wird bei öfterem
Ansehen und Abwägen für die gefürchtete „Moderne"
gewonnen werden. Dr. Fortlage
MAGDEBURGER KUNSTSGHAU 1911
pvas aktive Kunstleben Magdeburgs ist seit dem
1. Oktober d. J. auf eine ganz neue Basis gestellt
worden. Die Stadt hat für die Ausstellungen
von Kunst und Kunstgewerbe ein eigenes Gebäude
mit sechs umfangreichen Sälen erbaut und es den
beiden in Betracht kommenden Vereinen am 1. Oktober
feierlich übergeben. Damit wird eigentlich
erst ein umfassendes und regelmäßiges Ausstellungswesen
ermöglicht, da der bisherige Raum
im Museum dazu keineswegs langte. Der Anlaß
des Neubaues war denn auch, daß das Museum
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