Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 148
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MAGDEBURGER KUNSTSCHAU 1911 — PERSONAL-NACHRICHTEN

infolge seines fortwährenden Anwachsens die Ausstellungssäle
in seine Gemäldesammlung einbeziehen
mußte, und die Stadt Magdeburg ergriff
gerne die Gelegenheit, dem modernen Kunstmarkt
eine würdige Stätte zu bereiten. Es ist das innerhalb
fünf Jahren der dritte Bau, der von ihr der
Kunst zur Verfügung gestellt wurde (Museum 1906,
Kunstgewerbeschule 1910 neu gebaut), und diese
Freigebigkeit zeugt von hohem Verständnis für den
Wert einer guten Kunstpolitik.

Der Kunstverein hat eine neue Form für das
Ausstellungswesen gefunden, indem er die Leitung
einer Kunsthandlung übertrug, der Weimarer Firma
Brodersen. Man hofft dadurch zweierlei zu erreichen
: durch die guten Verbindungen des Kunsthandels
stets auf dem Laufenden gehalten zu
werden, und die Kauflust für gute Kunst stärker
heranzuziehen. Und der Anfang läßt das Beste
von dieser Kombination erhoffen, denn er gibt in
großen Zügen eine Uebersicht über die heutige
Entwicklung der deutschen Malerei, deren beide
Pole durch die Namen Meyerheim und Nolde gekennzeichnet
seien. Dergestalt wird für jedermanns
Geschmack gesorgt und zugleich — das ist eigentlich
erstaunlich — fast nur wirkliche Qualität gezeigt.

Daß die Berliner Secession dominiert, ist bei der
Nähe der Hauptstadt nur natürlich; Liebermann,
Slevogt, Beckmann sind mit repräsentativen Werken
vertreten, v. König, Rösler, Brockhusen,
Hübner u. a. Berliner nicht minder charakteristisch.
Aber es fehlt auch ebensowenig die abgeklärtere
Kunst jenseits des Impressionismus: Leopold
v. Kalckreuth wirkt mit einem anmutigen Damenbildnis
und einer grünen Gartenlandschaft höchst
anziehend, Thoma und L. v. Hofmann fehlen nicht,
und von Hodler sind zwei gewaltige Schweizer
Landschaften erschienen
. Einen ebenso breiten
Raum nahmen aber die
modernen Süddeutschen,
voran die Münchener ein,
deren Auffassung durch
den Impressionismus
wohl hindurchgegangen
ist, ihn aber durch süddeutsche
Sinnlichkeit
und Anschauungsfülle
gemildert hat. So wenigstens
wirken z. B. Hay-
eck, Kaiser, Groeber,
Püttner; Dill und
Holzel wandeln noch
weiter abseits, Holzel anscheinend
jetzt völlig auf
dem Wege zur dekorativen
Figurenkomposition
voll innerlicher Bedeutung
. Habermann ist
leider mit einem älteren
Bildnis ungenügend erschienen
. Dafür entzücken
einige feine Interieurs
von Sperl. Die
Interieurmalerei in der
minutiösen altholländer
Art findet ihre Vertreter
im Nordosten und im Süden
, bei dem Königsberger
Albrecht und bei
Reifferscheid.

j. a. d. i n g r es

Der neuzeitliche farbige Expressionismus ist
auch durch einige Beispiele vertreten; Hasler,
Nolde, auch Kurt Tuch zählen dazu. Dazu tritt
noch eine kleine, gewählte Anzahl von Bronzen:
Stuck, Gaul, Tuaillon, Hoetger, und Barlach,
dieser am bemerkenswertesten durch seinen eigenwillig
herben Stil; endlich hat der neue Direktor
der Kunstgewerbeschule, Bosselt, nur seine letzten
Arbeiten ausgestellt, da er im Sommer sich
bereits mit einer umfassenden Sonderausstellung
vorgestellt hatte. p. f. s.

PERSONAL-NACHRICHTEN

DERL1N. An Stelle des verstorbenen Professors
Woldemar Friedrich, übernimmt Professor
Raffael Schuster-Woldan, der kürzlich durch
seine Wandgemälde im Reichstag (s. Jahrgang
1910 11, Seite 284 u. f.) die Aufmerksamkeit weitester
Kreise auf sich gezogen hat, die Leitung einer
Kompositionsklasse an der Berliner Hochschule
für bildende Künste.

W/EIMAR. Professor Hans Olde wird Weimar
*^ demnächst verlassen, um die Leitung der Kunstakademie
in Cassel zu übernehmen. Als sein Nachfolger
in Weimar, wo Olde, seitdem er die Leitung
der Hochschule niederlegte, noch als Lehrer tätig
war, wird Egger-Lienz genannt.

/^ESTORBEN: In Düsseldorf im Alter von 66
Jahren der Genre- und Bildnismaler Ernst
Anders, einer der bekanntesten Künstler aus der
alten Düsseldorfer Zeit; in Schmiedeberg i. Schi, am
20. Oktober der Dresdner Maler Georg Müller-
Breslau. Er war ein ebenso tüchtiger Landschafter,
wie ein hervorragender Figurenmaler, hat sich auch

durch ausgezeichnete,
wohlstilisierte Glasgemälde
, wie durch treffliche
Lithographien hervorgetan
. Zu Breslau am
5. September 1856 geboren
, erlernte er zunächst
die Lithographie, dann
wandte er sich unter
Adolf Dreßler der Malerei
zu. Von Dreßler ging
er zu Gussow in Berlin
über, bei dem er mit
Illinger und Prell zusammentraf
. Als selbstständiger
Künstler lebte
er 1880 — 81 in Berlin,
1883 — 85 in München,
1886 — 87 bereiste er Italien
, seit 1892 lebte er in
Dresden, wo er sich der
Secession, später, als
diese aufgehört hatte, den
Elbiern anschloß. Sein
bedeutendstes Figurenbild
, „Christus in der
Einsamkeit", gehört dem
Schlesischen Museum
der bildenden Künste in
Breslau an. Auch die
Dresdner Galerie und die
Berliner Nationalgalerie
besitzen Werke seiner
Hand.

1

8

I

francesca da rimini
und paolo ^

Redaktionsschluß: 7. November 1911 Ausgabe: 23. November 1911

Herausgeber: f. Schwartz. Für die Redaktion verantwortlich: p. Kirchgraber. — Druck und Verlag von f. Bruckmann A.-G.

Sämtlich in München, Nymphenburgerstraße 86


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