Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 162
(PDF, 174 MB)
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KARL STAUFFER-BERN

Er konnte nicht erstaunlich
sein. Die
organische Form
war Stauffer von
jeher die Hauptsache
. Der Kolo-
rismus bedeutete
für ihn wenig: auf
den konnte er leichten
Herzens verzichten
, undalle anderen
Ausdrucksformen
der Kunst
hoffte er in der Plastik
wiederzufinden
. Schon im
Herbst 1886, da er
noch an der Arbeit
zu dem Freytag-
Bildnis ist, packt
ihn seine heimliche
Liebe zur Bildhauerei
. „Jetzt habe
ich Modellierton
und bin für Bildhauerei
völlig eingerichtet
", schreibt
er. „Von nun ab
wird abends gebild-
hauert, soviel als
möglich..." Und zu
Ende Januar 1887
schreibt er: „Ich
stecke bis über die
Ohren in der Plastik
und habe für nichts anderes Sinn. Talent
habe ich soviel als ein anderer, es handelt sich
nur darum, es recht und schnell zu lernen." Die
entscheidenden Worte aber, an Halm gerichtet
und datiert „Rom, den 22.Juni 1888" sind diese:

„Ich bin kein Maler, das schwante mir schon
seit geraumer Zeit, weil mir trotz all meiner
guten Absicht und der nötigen Schulung nie
ein Vorwurf, ein malerischer, so lebendig sich
aufdrängte, daß ich genötigt gewesen wäre,
ihn zu verarbeiten. Und die Kunst der Malerei
fängt doch erst da an, wo die Studie aufhört.
Wer zu einer Stimmung, die er ausdrücken
will, Farben notwendig hat, ist Maler, wem
die Form Ausdrucksmittel ist, der muß Bildhauer
werden, es hilft nichts."

Es ist kein Grund vorhanden, Stauffers endgültigen
Uebergang zur Bildhauerei mit seiner
Uebersiedlung nach Italien in Zusammenhang
zu bringen oder etwa die Bildhauerei als Voraussetzung
der Uebersiedlung anzusehen.

K. STAUFFER

Dieses Zusammentreffen
war ein rein
zufälliges. Stauffer
war kein Feuerbach,
dem für seine Kunst
Italien eine unerläßliche
Notwendigkeit
war: Stauffer
floh vor sich selbst
nach Italien, Feuerbach
kehrte dort zu
sich selbst heim.
Tatsächlich haben
Stauffer die Lebensumstände
aus Berlin
fortgetrieben,
wie Anselm Feuerbach
aus Wien eine

Kunstnotwendigkeit
. In Berlin konnte
sich Stauffer auf
die Dauer nicht heimisch
fühlen, die
Uniformiertheit aller
Lebensformen,
Empfindungen, Redewendungen
war
ihm unerträglich,
dazu war er nervös,
und nach dem Süden
zog ihn, rief ihn
seine Schicksalsdame
.

Sokam eralsoam
17. Februar 1888 in
Rom an und schritt alsogleich an sein geplantes
plastisches Werk, den „ Adoranten",eine jugendliche
, nackte Gestalt von etwa einem Meter
Höhe, an dem er täglich geschlagene neun
Stunden lang nach dem Modell arbeitete. Doch
ging die Arbeit, deren Technik gelernt sein
wollte, nur mühsam vorwärts, und es wurde
Ende August, bis Stauffer mit dem „Mannli"
zurecht kam. Vom 2. September 1888 — es
war Stauffers 31. Geburtstag — existiert eine
Photographie: sie zeigt den Künstler vor seinem
nunmehr vollendeten Werk. Nur die Arme
paßten Stauffer in dieser ersten Fassung noch
nicht, daran arbeitete er unerläßlich weiter
und schließlich ließ er sie überhaupt weg, so
daß der nach dem Gipsmodell ausgeführte
Bronzeguß den „Adoranten" ohne Arme zeigt.
Eigentlich ist dieses „Mannli", wie Stauffer
den „Adoranten" scherzhaft nannte, das einzige
vollendete Werk seiner Bildhauertätigkeit. Der
„giovinetto colla lancia" ist niemals fertig ge-

SELBSTBILDNIS (ZEICHNUNG)

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