Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 165
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emil epple

selbstbildnis

DER BILDHAUER EMIL EPPLE

Von Fritz v. Ostini

Die jungen Bildhauer und Maler, die heute
ihren Stil auf einen begeisterten Kultus
der Schönheit im Sinne der Antike zu gründen
wagen, sind bald gezählt — zumal, wenn man
bloß mit den Talentvollen rechnet. Unsere
neue Generation in der Kunst leidet an einer
krankhaften Angst, sie könnte an Individualität
einbüßen und der Vorwurf klassizistischer Neigungen
dünkt ihr eine unauslöschliche Schmach.
Wenn solche „klassizistische Neigungen" den
Umweg über die italienische Renaissance gemacht
haben und vielleicht dazu noch ein wenig
nach dem Stilkanon eines unserer großen Meister
und Lehrer orientiert sind, dann geht's schon
eher! Aber nur um alles nicht gleich an die
Quelle gehen, die Natur mit der heißen Inbrunst
umfangen, die schließlich doch der Antike
innerstes Wesen ist, um alles nicht das Ebenmaß
und die Formenklarheit und die bis zum
letzten gehende Formenreinheit der Alten sich
aneignen und anwenden! Die Angst vor diesen
Dingen stammt aus der Zeit — im letzten
Drittel des neunzehnten Jahrhunderts — da

man erkannt hatte, wie sehr unsere Neuklassi-
zisten um Canova und Thorwaldsen herum die
Antike mißverstanden hatten, bei denen dann
so oft aus Klarheit Leere, aus Reinheit Glätte
und aus allem zusammen eine seelenlose
Schablone wurde! Da fing man dann an, in
der Kultur der Oberfläche, der Handschrift
ein Wichtigeres zu sehen, als in der Form
selbst und die Materialtechnik höher einzuschätzen
, als die grundlegenden Angelegenheiten
der Plastik. In neuester Zeit hat man
dann, von dem Aufschwung unseres architektonischen
Könnens mitgerissen, rein dekorative
Fragen in gefährlicher Weise mit den eigentlich
bildhauerischen verwechselt und die Bildhauerkunst
oft genug nur als Magd der Bau-
und Ausstattungskunst angesehen.

Es will schon nicht wenig sagen, wenn ein
ideal gesinnter Bildhauer in solcher Zeit ganz
unbeirrt von jenen Irrungen und Wirrungen
seinen Weg findet und geht. Dem jungen
Schwaben Emil Epple darf man es nachrühmen.
Mehr noch! Man darf sagen, daß er in

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Die Kunst für Alle XXVII.

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