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GUSTAV KLIMT
in einigen Städten, sowie Fresken im Wiener
Burgtheater und Kunsthistorischen Museum gemalt
hat. Diese frühen Arbeiten Gustav Klimts
sind liebenswürdige Ausläufer der von Makart
determinierten Wiener Historienmalerei und
die „Pallas" ist ihre aparteste, in eine ent-
götterteWelt verstreute Blüte. Denn was ihren
heimlichsten Reiz ausmacht, unterscheidet auch
den jungen Klimt von den Historienmalern:
niemals wählt er ein Motiv des anekdotischen
Geschehens wegen, aber auch nicht als Vorwand
für eine Extase der Farbe; ihn fesselt
die verführerische Atmosphäre, welche die
Vorstellung längst gewesener Zeiten, Menschen
und Dinge mit süßer Schwermut umgibt, und
er gestaltet sie mit der spielerischen Freude
des Aestheten, dem Veranlagung und Studium
die alten Formen geläufig machten. Diese Feststellung
ist wichtig, weil sie ein Hauptelement
des Klimtschen Wesens anzeigt, das Dichterische
in ihm, das sich — man denke an die
Verkörperungen der italienischen Renaissance
in den Bogenzwickeln des Hofmuseums — an
der toten Schönheit geschichtlicher Symbole
entzündete, um sich zu läutern und später auch
Klimts Anschauung des Lebens und der Natur
mit anmutigem Feuer zu überglänzen.
In den nächsten Jahren erfolgt ein gewaltiger
Aufschwung. Es ist die Zeit, da Klimt für sein
organisch sich änderndes Empfinden neuen Ausdruck
sucht, einen eigenen Stil schafft, nicht
in einsamer Zwiesprache seines künstlerischen
Willens mit der Welt derObjekte, sondern allen
Einflüssen sich öffnend, allen Strömungen hingegeben
. Wie sich sein Verhältnis zur alten
Kunst sublimiert, indem er der edlen Vollendung
reifer Epochen die archaistische Frühe
und die Müdigkeit der Verfallszeiten vorzieht,
etwa die Herbheit griechischer Vasenbilder und
den starren Glanz byzantinischer Mosaiken, wie
er sich ferner von den exotischen Reizen der
ostasiatischen Linienkunst bestricken läßt, so
wirken unter den Zeitgenossen Minne und
Toorop, Beardsley und Khnopff besonders auf
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GUSTAV KLIMT
DAMENBILDNIS (1898)
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