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DAS BISMARCK-NATIONALDENKMAL AM RHEIN
LEONHARD SANDROCK
DAMPFER IN AUSRÜSTUNG
die wieder ausdrucksvollere malerische Flächen
im Gefolge hatten. So gelangte Sandrock zu
einer stärkeren Betonung der Lokalfarben, die
sich jetzt gegen den früher allmächtigen Ton
durchsetzten. Er sah etwa, wie die blaue Bluse
eines Arbeiters hell aus dem Bildviereck herausleuchtete
und im interessanten Kontrast zu dem
Dunkelblau oder Rot oder Grün eines Schiffskörpers
stand, oder wie Gestalten in dunklen,
groben Kostümen in Gegensatz zu dem rotglühenden
Feuerloch einer Lokomotive traten.
An dieser Station der Entwicklung ist Sandrock
gegenwärtig angelangt. Er steht vor uns
als ein Künstler von fest umrissener Eigenart,
der sich aus reifer Anschauung eine besondere
Welt geschaffen hat, und der doch, unaufhörlich
an sich arbeitend, von dem lebendigen
Strom einer vorwärtstreibenden Entwicklung getragen
wird. Was wir ihm bis heute danken,
erfüllt uns mit herzlicher Anerkennung. Aber
noch wichtiger ist uns die Gewißheit, daß wir
noch Vieles und Gutes von ihm zu erwarten
haben.
DAS BISMARGK-NATIONALDENKMAL
AM RHEIN*)
Von G. Howe
P\er Entscheidungsausschuß für das Bismarckdenk-
*-^mal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück hat gesprochen
. Aus der zweiten, engeren Konkurrenz,
zu der die zwanzig bei dem ersten Wettbewerb durch
Preise oder Ankauf ihrer Projekte ausgezeichneten
Künstler eingeladen waren, ist Professor Wilh. Kreis
in Düsseldorf als Sieger hervorgegangen.
Nicht freilich bei der Jury! Nachdem diese sich
einmal hinsichtlich ihrer prinzipiellen Stellung gebunden
, war es eine unbillige und auch wohl kaum
ernst gemeinte Anforderung an sie, sich selbst zu
desavouieren. Sie konnte, zumal grundlegende Aende-
rungen oder gar Besserungen in den Lösungsversuchen
nicht vorlagen, ihre Entscheidung nicht umstoßen
, und so hat sie zum zweiten Mal dem Bestel-
meyer-Hahnschen Entwurf, und zwar in seiner ursprünglichen
Gestalt, die erste Stelle zuerkannt.
Indem die Jury grundsätzlich jede sich stark
in der vertikalen Richtung entwickelnde Lösung
verwarf, kam sie den Forderungen der Landschaft
entgegen, wenngleich eine mehr idyllische Anlage
, wie die von Bestelmeyer und Hahn, eine
entsprechende Reduktion der Masse vorausgesetzt,
sich in einem Park am Ufer des Rheines wohl
besser ausgenommen hätte, wie auf Bergeshöhe.
Der Entscheidungsausschuß aber stellte sich, nachdem
einmal ein H ö h en denkmal, das weithin sicht-
*) s. auch geg. S. 312 und S. 513 des letzten Jahrgangs.
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