Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 216
(PDF, 174 MB)
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I MAX MAYRSHOFER S

Anfang an in dem Zeichner Mayrshofer gesteckt,
und es ist gut, daß er in diesen zahlreichen
geistvollen Blättern so ungehemmt und rückhaltlos
herausgekommen ist. Unser Abbildungsmaterial
ist aus dieser allerjüngsten Periode
geschöpft: Reiter, die am Strande und über
niedrigen Dünen daherfliegen; Landschaften
mit wenigen einfachen Bewegungen des Bodens
und der Wolken, und weibliche Akte, wie sie
dem Auge des Zeichners in freier Luft und
Sonne erscheinen. Keines dieser Blätter ist
vor der Natur geschaffen: Ihre Qualitäten sind
subjektiver und durchaus nicht zufälliger Art.
Sie sind ganz aufgebaut aus Gefühl für Komposition
, für stofflichen Reiz, für Reiz der Behandlung
. In vielen Fällen haben Photographien
die Motive geliefert. Mayrshofer hat sie aus
dem charakterlosen Volapük der Kamera in
sein klangvolles und linienschönes Idiom übersetzt
, aus Freude am Experiment, an dem gefügigen
Material, aus Lust am Spiel.

Im Grunde genommen hat Mayrshofers Talent
andere und sagen wir gleich: solidere Tendenzen
. Von Natur aus ist er, als wesensechter
Zeichner, angewiesen auf liebevolles Studium
der Formen und ihre präzise Wiedergabe.
Jahrelang hat er das geübt und sein Fortschreiten
wird diesem Wege folgen. Alle Ausdrucksmittel
hat er mit einer Neugier und einer Anpassungsfähigkeit
ohnegleichen versucht. In
allen war er sogleich Meister und hier liegt

vielleicht das eigentlich Geniale seiner Begabung
. Er hat sich in der einfach-lapidaren
Sprache des schwarz-weißen Illustrationsstils
ausgesprochen, er hat die ausgefeilte, nuancierende
und romantische Sprache der Feder
bewältigt. Er hat die verführerische Zauberei
der Kreide versucht und hat ebensogut vor der
unbestechlichen Strenge der einfachen Linienoder
Pinseltuschzeichnung bestanden. Stöße
und Stöße von rechteckigen Papierblättern hat
er mit Bleistiftzeichnungen bedeckt, und lange
Zeit hindurch hat er einen Flirt mit der Farbe
gehabt. Die Zeugnisse davon sind der Oeffent-
lichkeit einstweilen noch nicht zugänglich, weil
der Künstler sich nicht irgendwie festlegen
möchte, bevor er etwas mehr als diese reizvollen
Anfänge und Versuche aufzuweisen hat.
Gleichwohl ist dies schon ein reiches Material,
wie alle Kundgebungen des Künstlers überraschend
, eigenartig und bis zum unscheinbarsten
Blättchen hinab voller Begabung und
Können. Manches ist malerische Skizze, manches
sieht sich an wie ein Farbenholzschnitt,
das meiste sind einfache farbige Zeichnungen,
in denen wundervoll abgestufte Farben tonig
zusammenklingen, Zeugnisse eines Farbensinnes
, der Pracht und Klangfülle liebt. Fast
immer sieht man hier mondäne Damen in entsprechenden
Milieus, häufig auch vor den wirksamen
Horizontallinien zweier Fluß- oder Seeufer
mit wölken- und bergespiegelnder Flut.

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MAX MAYRSHOFER ZEICHNUNG

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