Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 218
(PDF, 174 MB)
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MAX MAYRSHOFER

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herrschtes Grauen; das zeigt sich
gleich wieder in der peniblen, verspielten
Genauigkeit der Zeichnung,
in der absolut beherrschten Kalligraphie
der Linie. Ist nicht sogar
ein heimliches Lachen darin?

Bilder des Grauens sind es auch,
zu denen ein Besuch in der Irrenanstalt
die Anregungen und die Motive
geliefert hat (s.S.213). Ein Heerbann
von Irren mit dem ingrimmigen
Kauderwelsch ihrer überfreien und
verrenkten Bewegungen zieht vorüber
. Was bringen diese Blätter
nicht alles! Triumphierendes Narrengelächter
, wütende, affenmäßige Bosheit
, gellende Angst, stets ausgedrückt
in einem meisterlichen, barocken
Uebermaß an Bewegung. Man fühlt,
es muß etwas in des Künstlers Seele
sein, was ihm diese Entfesselten und
Entgleisten irgendwie persönlich interessant
macht. Vielleicht, daß er
selber schon gehört hat, wie es da
drinnen in unbewachten Augenblicken
an den Fesseln rüttelt. Aber obwohl
er in der Darstellung der Irrenhaustypen
so weit als möglich gegangen
ist, nimmt ihnen seine Behandlung
doch den äußersten Schrecken. Sie
sind so beruhigend von außen gesehen
, die armen Narren. Sie sind
mit starken, wohltätigen Distanzgefühlen
gesehen von einem, der seines
Verstandes recht sicher ist.

Dunkle Dinge kommen schließlich
auch in den häufigen Darstellungen
von Gewalttätigkeiten zum Wort.
Der Mord hebt hier sein bluttriefendes
Haupt. Aus Vorhangfalten blitzt
das Messer, Blut netzt in scheußlichen
Rinnsalen den Boden, der Mörder
hockt vor dem Opfer und genießt
in glotzendem Hindämmern
noch einmal seine Tat. Die Lust
an der Angst des Opfers, das was
Nietzsche das „Glück des Messers"
genannt hat, das ist dem Künstler
in diesen und ähnlichen Blättern zum
Gegenstand geworden. Prachtvoll
ist ihm dabei die spezifische Atmosphäre
der Bluttaten gelungen, in der
man entfernt noch etwas vom Greuel
der Wachsfiguren und vom Bänkel-
sang der Moritaten wittert.

Auf der anderen Seite hat Mayrs-

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