Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 219
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' MAX MAYRSHOFER

MAX MAYRSHOFER

hofer unendlichen Fleiß gewandt an den Preis
des Frauenleibes, von dem er mit freier, zarter
Anbetung und mit kräftiger Sinnlichkeit zu
reden gewohnt ist. Wie fein, wie hingebend hat
er das wunderliche Wesen der Frauen in allen
seinen Aeußerungenbemerkt und aufgefaßt: Die
nackte, leuchtende Pracht ihrer Körper, der
zarte Reiz ihrer Bewegungen in der großen
Toilette, das sanfte Schimmern einer lächelnden
, gepuderten Wange.

Als das bindende, alle Gegensätze dieser
starken, leidenschaftlichen Natur ausgleichende
Element muß man den Humor betrachten. Er
sitzt bei ihm sehr tief, nämlich nicht im Kopfe,
sondern in der Hand, und das will sagen im
Gemüte und im ganzen Wesen. Es ist nicht
der Humor der Karikaturisten oder des Satirikers,
sondern ganz einfach der Humor des überlegenen
, sinnlich frischen Menschen. Es ist
Humor als Lebensüberschuß, bezaubernd in
seiner Frische und Herzlichkeit.

Den bewußten satirischen Spott und die
aus Zwiespältigkeit des Gemütes stammende
Ironie kennt Mayrshofer nicht. Sein Humor
hat kein irgendwie gestörtes seelisches Gleichgewicht
zur Grundlage, er ruht lediglich auf
einer schalkhaften inneren Unbewegtheit und
auf der blitzend raschen und energischen Auffassung
des Charakteristischen. Es ist ge-

ZEICHNUNG

sunde, unsentimentale Vollkraft der Rasse, die
sich bei ihm ausspricht.

Ihn irgend einer Gruppe oder Richtung zuzuweisen
, geht nicht an. Zwar haben seine
Kreidezeichnungen von Liebermann profitiert;
auch haben älteste deutsche Traditionen auf
ihn eingewirkt. Aber im ganzen ist Mayrshofer
eigenwilliger Einzelgänger. In München
zumal steht er sicherlich ganz allein. Seine
Erscheinung hat all das Plötzliche, Isolierte,
fast Explosive, das den Aeußerungen ungewöhnlicher
Begabungen anhaftet. Auch Schule
wird er nicht machen. Seine Bedeutung ist
durchaus diejenige einer unvermutet auftretenden
glänzenden Einzelerscheinung, an der man
sich freut wie an einem erregenden Elementarereignis
.

Ob er nach der ungewöhnlichen, staunenswürdigen
Fülle seiner bisherigen Produktion
der Welt als Zeichner noch viel Neues zu
sagen hat, scheint fraglich. Daß er aber als
Maler in absehbarer Zeit zu einem bedeutenden
Faktor des Münchener Kunstlebens werden
wird, diese Prophezeiung darf nach den wenigen
studienhaften Proben, die mir kund wurden,
wohl gewagt werden.

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