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i NEUE DENKMÄLER — NEUE KUNSTLITERATUR
Jahre in Braunschweig verstorbenen niedersächsischen
Dichters Wilhelm Raabe gedacht ist. Während
diese Angelegenheit noch in der Schwebe war,
hat der Bankdirektor Leeser, der seiner Vaterstadt
bereits das „Kehrwieder"-Denkmal stiftete, für den
genannten Platz einen Brunnen geschenkt, dessen
Entwurf von Prof. seeböck-Rom herrührt und
einen Nachtwächter darstellt, der mit eingelegter
Hellebarde ein Rudel Katzen auseinanderzujagen
sucht. Die Kunstfreunde, die den Raabe-Brunnen
ausgeführt und aufgestellt sehen möchten, fordern
für ihr obdachlos gewordenes Monument einen anderen
Platz und der andere Platz wird — das erscheint
beinahe selbstverständlich — einen anderen
Entwurf fordern. pi.
CT. LOUIS. Adolphus Busch, der bekannte ameri-
^ kanische Mäzen, hat für die Errichtung eines
Denkmals für die drei deutschen Journalisten Schurz,
Pretorius und Daenzer die Summe von 80 000 M
gestiftet. Zu diesem Betrag kommen noch 60000 M
hinzu, die ein lokales Komitee in St. Louis aufbringen
will. Das Denkmal wird in einem internationalen
Wettbewerb vergeben.
YV/IEN. Der Ausschuß des Komitees zur Er-
™ richtung eines Lessing-Denkmales in Wien hat
dem Bildhauer Professor Franz Metzner die Ausführung
des Denkmals übertragen.
NEUE KUNSTLITERATUR
Kunowski, Lothar und Gertrud von. Unsere
Kunstschule. Gebunden 40 M. Liegnitz, Verlag von
Dr. Albrecht von Kunowski, Verlag für Nationalstenographie
.
Unter dem Titel „Unsere Kunstschule" haben
Lothar und Gertrud von Kunowski eine Publikation
erscheinen lassen, die unter den kunsttheoretischen
Werken kaum ihresgleichen hat — auch in der
Literatur der Vergangenheit. Denn so viel theoretische
Schriften wir von den großen Künstlern
der Vergangenheit auch besitzen, ein so großartiges
Gepräge wie diese Publikation hat keine. Mancher
wird daraus dem modernen Künstlerehepaar den
Vorwurf ganz gewaltiger Selbstüberhebung machen,
aber wir haben eben heute andere Mittel, Gesagtes
zu illustrieren als die Früheren. Freilich auch im
Texte des vorliegenden Werkes tritt uns oft genug
ein ungewöhnlich starkes Selbstbewußtsein Kunowskis
entgegen. Das ist jedoch auch nicht kritisch
ausschlaggebend. Es ist selbstverständlich, daß die
Ueberzeugung von der Wichtigkeit seiner Lehre, von
der künstlerischen Meisterschaft seiner Frau nur Voraussetzung
sein muß zur Herausgabe eines solchen
Werkes. Und sagt Kunowski, daß er immer einen
großen Zulauf von Schülern gehabt habe, so gibt das
auch uns die Gewißheit, daß ein starkes Verlangen
nach einer anderen, sichereren, höheren Kunstunterweisung
in der Jugend vorhanden ist. Solchem
Verlangen kommt Kunowski meines Erachtens mit
großer Geschicklichkeit und Tiefgründigkeit entgegen
. Er bemüht sich mit heiligem Eifer nicht
um sich, sondern um seine ganze Sache, seinen
ganzen Beruf. Er will den Kunstlehrer wieder auf
höchste Höhen stellen. „Möge diese Schrift dazu
beitragen, ein zukunftreiches und alle Fähigkeiten
stärkster Künstler und Denker beanspruchendes
Gebiet zu dem ehrenvollen Beruf eines allgemein
anerkannten Standes werden zu lassen." — Wodurch
sich nun die Kunowskische Kunstlehre unterscheidet
, läßt sich kurz nur unter Hinweis auf
einige seiner prägnanten Lehrsätze und Bekenntnisse
andeuten: Er will Tüchtige unterrichten ohne
Qual. „Wir gehen stets von freier Auffassung
und lebendigem Entwurf aus. Wo diese nicht vorliegen
, kann von Unterricht nicht die Rede sein.
Denn was zu bilden ist, bleibt stets der vom
Schüler gebotene Keim eines möglichen Kunstwerks
. Es wurde niemals vorgeschrieben in welcher
Technik oder Art eine Arbeit zu beginnen sei."
„Im Suchen nach Regeln für das Studium der
Natur gingen wir nie von den alten Meistern aus,
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i hugo wach leipziger bahnhofsbau (zeichnung) )
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