Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 314
(PDF, 174 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0366
DAS WELTTELEGRAPHEN-DENKMAL ZU BERN

DAS WELTTELEGRAPHENDENKMAL
ZU BERN

wettbewerb für das welttelegraphen - denkmal in bern. der für
die ausführung bestimmte entwurf von g. romagnoli

Geist, die ihn von jeher auszeichneten, sind dieselben
geblieben. Aber es ist nicht meine Aufgabe,
hier nochmals in eine Würdigung Habermanns einzutreten
. Wenn je zwischen einem Künstler und
seinem Interpreten jene natürliche Uebereinstim-
mung bestand, die man als „Kongenialität" zu bezeichnen
pflegt, so bestand sie in diesem Falle.
Auf einem breiten historischen, biographischen und
ästhetischen Fundamente hat Fritz von Ostini sein
Bild dieser Künstlerpersönlichkeit aufgebaut, ein
Bild, in dem des Verfassers profunde Kenntnis des
Münchener Kunstlebens, sein geschultes, feines
Auge, seine persönliche Hochachtung für des Künstlers
ganzes Wesen und nicht zuletzt seine hervorragende
Darstellungsgabe
gleichermaßen wirksam werden
. Man weiß, daß es Ostini
verschmäht, Stil und Darstellung
mit jenen feuilletonisti-
schen Lichtern zu „höhen",
die in der gegenwärtigen Kunst-
schriftstellerei eine so ungebührliche
Rolle spielen. Und
gerne nimmt man dafür die
ruhige Sachlichkeit, die Hebens
würdige Wärme des Ostin i-
schen Vortrages als Ersatz hin.
An leichter, gefälliger Eloquenz
enthält die Darstellung
dennoch genug, um außerdem
noch einen reizvollen Lesestoff
zu bilden. Der schöne,
ruhige Druck, das gute, handliche
Format und alles übrige
zur Ausstattung Gehörige verdienen
Lob. Der arcbivalische
Wert des Buches wird durch
den Werkkatalog wesentlich
erhöht,der,zunächstnach Stoffgebieten
, dann chronologisch
geordnet, für die Schaffensfreudigkeit
des Meisters beredtes
Zeugnis ablegt. w. Michel

er erste Preis im Wettbewerbe
um das Welttelegraphendenkmal
für Bern, die
Arbeit von Giuseppe Roma-
gnoli aus Bologna, istzur Ausführung
bestimmt. Man denke,
auf einem freien Platz wird ein
Divan Aufstellung finden, auf
dem eine Dame Platz genommen
hat. Isolatoren und Telegraphendrähte
laufen um die Basis
des Möbelstückes, während eine
Reihe Frauen an die Sitzende
herantreten. „Die internationale
Telegraphie vereinigt die Seelen
der Völker", wie man in dem Erläuterungsberichte
liest. Zwei
Tafeln zu Seiten der Mittelfigur
werden die Namen der Gründungsstaaten
des Welttelegraphen
-Vereines aufnehmen, damit
nicht etwa jemand auf den
Einfall kommt, das Denkmal
stelle die Huldigung der Schweizer Kantone vor der
Helvetia dar. Die Rückseite des Divans wird in
ehernen Lettern ausführlicher noch erzählen, was
eigentlich denn auf der Vorderseite vorgeht.

Dieser Entwurf wäre ein nettes Tintenfaß. Man
könnte sich die Kunstgewerbearbeit auch wohl als
Uhrwerk auf einem Schranke denken. Doch Gott
bewahre! Das Werk soll achtzehn Meter lang und
sechs Meter hoch werden, eine Großplastik für
einen Platz der Neustadt, der von der Kirchfeldbrücke
den Verkehr der Altstadt aufnimmt. Es wird
dem Brückengänger nicht leicht werden, auf die
Entfernung aus diesem Menschenknäuel, der an dem
Divan sich zu schaffen macht, einem in Ton ge-

wettbewerb für das welttelegraphen-denkmal in bern. entwurf von
bildhauer h. netzer, düsseldorf, und architekt p. pfann, münchen

314


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0366