http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0435
JULES DALOU
durchmustert, die den Nachlaß Dalous bergen.
Neben den gewaltigen Glasschränken in Rodins
Museum in Meudon geben sie die stärkste und
ergreifendste Offenbarung auf dem Gebiet der
modernen französischen Plastik. Da sind zunächst
Modelle und Skizzen zu seinen ausgeführten
Arbeiten, eine Menge Büsten von bekannten
Männern der dritten Republik, Andre
Theuriet, Avenel, Henri Rochefort,Jean Gigoux,
der Lesenden, die eine ganz nackt in den
Lehnstuhl geschmiegt, eine Frau, die sich den
Strumpf auszieht, zwei Studien einer nackten
Frau nach dem Bade, eine unbekleidete Cour-
tisane, auf der Seite liegend und schlafend.
Man geht langsam von Stück zu Stück, jede
neue Figur enthüllt immer aufs neue das erstaunliche
Können in der Zusammenfassung
der Bewegung und der Behandlung der Ober-
I
JULES DALOU
Albert Wolffs charaktervoller Kopf mit dem
überlegen kritischen Ausdruck im Gesicht, die
beiden klugen und feinen Kahlköpfe Armand
Renaud und Philippe Gille. Aber dann weiter
eine ganze Zahl von Modellen, Abgüssen,
Studien und Skizzen zu realistischen Figür-
chen im Stile jener Sitzbilder seiner englischen
Periode. Es ist nur das gerettet, was
dem Wüten dieses Ikonoklasten entgangen ist,
der alles, was ihm nicht genügte, immer in
Trümmer schlug. Studien und Varianten zu
VERITE MECONNUE
fläche. Er schwelgt in vollen, üppigen, ein
wenig überreifen Frauenleibern; wie wunderbar
hat er bei der Badenden und der Zusam-
mengekauerten, die den wunderlichen Namen
der Verite meconnue trägt (Abb. S. 375),
oder auch der Ueberraschten (Abb. geg. S. 372)
die mächtigen Formen mit den fleischigen
Falten um die Hüften gegeben — wie glänzend
sind die verschiedenen Studien zu der
Frileuse, die, vor Kälte zusammenschauernd,
in sich zusammenkriecht; seine nur eben an-
375
47*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_25_1912/0435