Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 25. Band.1912
Seite: 385
(PDF, 174 MB)
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ZWEI MEISTERBIOGRAPHIEN

lon-Berlin, HoETGER-Stuttgart und A.Volkmann-
Frankfurt, sowie die der Karlsruher H. Binz, El-
sässer, Otto Feist, Ehehalt, Kornhas und Kollmar
, W. Sauer und Konrad Taucher, nicht zu
vergessen den vielseitigen Schreyögg, Lederer
und KRAus-Berlin und Pöppelmann-Dresden.

Sehr schön und reichhaltig ist schließlich die
geschmackvoll wie alles Uebrige arrangierte große
graphische Abteilung ausgefallen.

Hier begegnen wir, unter anderem, brillanten
Werken von E. r. WEiss-Berlin, Orlik, Slevogt,
H. Meid, Dr. Treumann, Bizer und Zähringer-
Baden-Baden, dann r. Genin und Schinnerer-
München, seinem Schüler greve-LiNDAU-Weimar,
v. Volkmann, Bartelmess und Pretzfelder, Hs.

schroedter, conz, riedel, hempfing, HAUeisen
, sämtlich in Karlsruhe, Waldschütz und
Schindler in Mannheim, um nur die hervorragendsten
unter ihnen aus der großen Zahl derselben
kurz anzuführen.

ZWE MEISTERBIOGRAPHIEN

Max Liebermann. Des Meisters Gemälde in
303 Abbildungen. Herausgegeben von Gustav
Pauli. (Klassiker der Kunst in Gesamtausgaben
, 19. Band.) Gebunden M 10.—.
Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.

El Greco. Eine Einführung in das
Leben und Wirken des Domenico Theoto-
copuli, genannt El Greco, von August
L. Mayer. Mit 50 Abbildungen. M 4.—,
Luxusausgabe M 12.—. München, Delphin-
Verlag.

Zwei Meisterbiographien im doppelten
Sinne des Wortes. Beide gelten Meistern
und sind meisterlich verfaßt. So fordern
sie zu vergleichender Besprechung heraus.
In einem unterscheiden sich beide Werke
auffallend und Seite für Seite voneinander.
Pauli tritt von Anfang an ganz entschieden
für seinen Helden ein, er verteidigt
ihn nicht— Liebermann ist ihm Klassiker,
er ist ihm ein ganz Großer, so wie er ist,
wie er sich Stufe für Stufe entwickelt hat.
August L. Mayer geht mehr vergleichend
, wägend, erklärend vor. — Welche
von beiden Arten der Biographie die richtige
ist? — Eine Antwort ist überflüssig.
Beide Biographien sind an sich persönlich
so fest gefügt, daß wir in ihren Porträts die
Biographen erkennen. Und das ist etwas
Künstlerisches. Pauli sagt kurz, so und so
hoch steht Liebermann über anderen. Er
spricht vorm Publikum. — Mayer stellt sich
ins Publikum hinein und unterhält sich
mit ihm zugunsten sichereren Sehens, richtiger
Bewertung Grecos. Er lehrt wägen,
vergleichen, urteilen. Pauli kennt nur Urteilsfähige
und Urteilslose. Um die letzteren
bemüht er sich nicht lange. Mayer
hat immer eine Staffel zur Hand, die das
Betrachtungsniveau erhöht. Bald ist's Ve-
lasquez, bald Cezanne. Spöttisch fertigt er
unhaltbare Einwendungen ab, entgegenkommend
geht er auf berechtigte Vorwürfe,
die wir Grecos Kunst machen, ein. Auf
diesen Wegen aber weiß er uns erst recht
zu Greco zu führen. Beständig unterhandelt
Mayer mit den Gegnern Grecos, um sie

zu gewinnen. Er vergißt wohl keinen Punkt des Angriffs
und begegnet ihm mit ungewöhnlichem diplomatischem
Geschick. Sein letzter Hieb ist die glänzendste
Parade. Er trifft entscheidend die Tadler der
hohen Grecopreise, die Zweifler von Grecos Ruhm: —
Weshalb man sich aufrege über die hohen Preise.
Werden für Bildchen von Dou und Mieris nicht die
unglaublichsten Summen bezahlt? Werkann leugnen,
daß Greco ihn zu staunender Bewunderung oder lebhaftem
Protest fortgerissen ? Wer kann das von jenen
Holländern und vielen Quattrocentisten behaupten?
— Und wenn nach zehn Jahren der Hauptbedarf an
Grecos gedeckt, dann werden die Preise wohl sinken
— aber Greco wird dann erst recht als bedeutender
Künstler geachtet werden — nicht nur als
Meteor. Ganz anders geht Pauli als Biograph Liebermanns
vor. Er sieht, wie auch Liebermann immer
noch durch eine stupide Menge von Gaffern hindurch
will. Also geht er einfach voran. Er redet nicht
viel, er macht ihm Platz ohne lang die im Wege
Stehenden zu bitten. — Und so wird das Ziel erreicht.
Paulis Buch wirkt geradezu wie eine erfrischende
Tat. Das kräftige Schlußwort Paulis über Liebermann
und die Deutschen ist kein Excurs — es ist
ein Schlußstein, der das Ganze festhält, uns wirklich

richard winternitz

Frühjahrausstellung der Münchner Secession

malerin

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