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! VON AUSSTELLUNGEN
einige Landschaften und einen im pathetischen
Schmerz verzerrten Frauenkopf. Anselm Feuerbach
, der die bedeutsamste Zeit seines Lebens in
Italien verbrachte, hat nur wenige Werke hier zurückgelassen
: eine reizende Szene badender Kinder,
eine Landschaft mit zwei sitzenden Gestalten, einige
Zeichnungen (eine Tamburin schlagende Putte, eine
Amazone zu Pferd, ein Frauenkopf zum Gastmahl
des Plato und „Orpheus
und Eurydike"). Von Len-
bach ist eine Anzahl
Porträts ausgestellt. Es
sind zum Teil schwächere
Arbeiten und skizzenhaft
wiedergegebene Köpfe:
Gräfin Taverna mit ihren
Kindern, der Herzog von
Sermoneta, das prunkhafte
Bild der Königin Margherita
, das Bildnis der Mutter
des Fürsten Bülow, die Profilstudie
Papst Leos XIII.
u. a. Klinger und Greiner
, die zwei Lebenden,
brachten der erstere das
große Bild eines Athleten,
dem ein schlotterndes
Männchen die Gewänder
hält, (im Besitze Otto Greiners
) und letzterer ein
Bildnis seiner Frau mit
der Mandoline.
Die Plastik ist etwas
stiefmütterlich behandelt:
Adolf v. Hildebrand
hat eine Anzahl genialer
Porträts und Reliefs in Marmor
, Bronze und Wachs,
Arthur Volkmann den
lebensgroßen Akt eines
jungen Mädchens gesandt.
Die ausgestellten Radierungen
sind meist
schon bekannt, so die
verschiedenen Zyklen von
Klinger („Die Geschichte
einer Liebe", „Vom Tode",
„Brahmsphantasie"),
GREiNERS„Hexenschule",
Stauffer - Berns „Bild
seiner Mutter" und „Gustav
Freytag", Geygers
„Darwinistische Disputation
", ein Meisterwerk moderner
Graphik.
Schwieriger ist es über
die zweite Ausstellung zu
urteilen. Sind es doch
meist noch kämpfende
jüngere Künstler, die sich
hier zeigen, viele von ihnen noch in der Entwicklung
begriffen. Im ganzen bietet die Schau ein Bild
von Streben und ernster Arbeit. Der in einer gewissen
konventionellen Auffassung befangene Hannemann
bringt die Fürstin Rospigliosi und ein
Herrenbildnis, Coulin ein in den Farben reizendes
Kinderbild und einen Mädchenakt, Nöther verschiedene
vortreffliche Frauenköpfe auf getöntem
Papier und eine schöne Landschaft, Brioschi Bilder
aus der römischen Campagna, Gutscher,
otto grein er
Suhaneck Landschaften. Meister Otto Greiner
hat nur wenige kleinere Werke gesandt, einen anmutigen
lachenden Kinderkopf, ein Frauenporträt
und eine farbige Zeichnung (Landschaft) — sämtlich
in Privatbesitz.
Schwarzweiß ist gut vertreten durch die schönen
Steindrucke Heynes, die feinen Radierungen Alfred
Ehlers', die meist Berlin und Umgebung
behandeln und die melancholische
Schönheit der
Mark Brandenburg verherrlichen
, die manchmal
allzu romantischen, aber
immer schönen Radierungen
Röders und römische
Veduten von Feuereisen
. Lipinsky, ein Meister
der Technik, zeigt
sehr fein ausgeführte
Zeichnungen und Radierungen
, Coulin schöne
Studienblätter.
Die Skulptur bringt die
mannigfaltigsten Kunstanschauungen
zur Darstellung
. Prof. Götz stellt
sein bekanntes Wasser
schöpfendes Mädchen und
ein Kinderköpfchen aus,
Schrödter das gute Relief
eines Kriegers, Möller
eine Frauenbüste u. a.,
R. Bednarz einen stark
an französische Schule gemahnenden
Frauentorso,
K. Knappe einen schönen
medusenhaften Frauenkopf
mit seltsam dürstendem
Ausdruck, und die
kleine Statuette einer kauernden
Frau. Röll hat
zwei Büsten und einige
Skizzen, Glicenstein,
Karl Gabriel, Weih-
rich,Hunt Dietrich und
M. C. Klein Porträts, Medaillen
und Bronzen. h.b.
VON
AUSSTELLUNGEN
DERLIN. Die kleine,
aber sehr gewählte
Ausstellung von Werken
Cezannes, die Paul Cas-
sirer jetzt nach dem Schluß
der eigentlichen Saison
und zur Zeit der Eröffnung
der Sommerausstellungen
seinen Getreuen zeigt, hätte besser innerhalb
der Ausstellung der Secession ihren Platz gefunden
, hätte sie doch dort den ruhenden Pol bilden
können und zugleich mit der schönen „Arle-
sienne" des van Gogh als Deutung für manche Wagnisse
der Jüngsten gedient. Kein Bild|wäre besser
geeignet, ein Licht auf die Bestrebungen des für
die meisten ganz rätselhaften Picasso zu werfen,
als die Landschaft aus der spätesten Zeit Cezannes,
die erste der Art, die hier gezeigt wird. Wie aus
studie „tänzerin"
(zeichnung. 1896) ^
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